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von Peter Herrmann, ab dem 7. Februar 2018

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Autos, schon wieder Frauen und die Kunst
 
Ein an mich Denkender sendete mir im heißen trockenen Februar des Küstenafrikas eine Postkarte mit einer Kritzelei von Paul Klee, die mein Privat an mein Geschäft erinnerte. Des unbekannten Versenders Anliegen dürfte wohl gewesen sein, mich subtil zu verhöhnen. So jedenfalls der erste Gedanke. Ich glaubte einen Moment lang den Absender zu kennen, der nicht auf der Karte stand. Das ist eine tolle Sache solcherart geärgert zu werden, denn Postkarte als solche wurde ein sehr seltenes Gut. Nur. Ich ärgere mich gar nicht. Das ist doch ein schönes Motiv, das die Phasen der Umsatzlosigkeit in knappen Schnörkeln zeigt. Sie müssen beim Betrachten den Kopf ein wenig nach rechts kippen.

Ferrari

Mopsen

Gewohnheiten

Essen

Knorr & Maggi

Durst

Mercedes

Post

Bier

Postkarte mit weinendem Galeristen
Der glücklos weinende Galerist

Das ist, was Viele nicht begreifen. Geld ist mir weitgehend egal. Man hat es, und manchmal eben nicht. Um bei Frauen ein wenig Glück zu haben, braucht es ja zunächst nur den Anschein davon. Wenn sie dann langsam dahinterkommen, dass es Dürreperioden gibt, sehen sie sich meist und flott nach einem Anderen um. Das sind dann sehr komplikationslose Trennungen. Ein pragmatisches Adieu. Für jemand der gerne allein lebt und nicht ständig Rechenschaft über sein Tun abgeben möchte, der weibliche Dauerumklammerungen noch nie so richtig wirklich mochte und findet, das Schönste an einer Beziehung ist die anfängliche Leidenschaft, für den ist es gar nicht so tragisch, wenn Finden und Trennen zum Dauerzustand wird.

So sagte schon in den 1980ern Miss Österreich Adieu und kehrte zu ihem Playboyredakteur zurück, die schönste Frau des Tchad fand einen deutschen Millionär, eine große Liebe aus Nigeria ging verloren und unzählige andere fanden einen besseren. Das freute mich immer und so kam ich mit den meisten auch später noch prima aus. Auch Scheidungen verliefen ohne gegenseitige Schlachtung. Sollten also irgendwelche Interpreten meinen, das sei eine gescheiterte Existenz, sage ich nur: Irgendwann scheint uns der Mond ins gleiche finstre Loch.

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Ferrari
 

Lieber Leser, kennen Sie noch die Galerie in der Schlüterstraße in Berlin? Wo ich mich mit 300 qm nur ein paar Schritte enfernt vom Kurfürstendamm im schönen Charlottenburg kräftig verhoben habe? Weil weitermachen da, wo Stuttgart aufhörte.

Dort entstand dieses Bild eines glücklichen Galeristen und man konnte noch nicht ahnen, dass später einmal seltsame Postkarten mit Pleiteverweisen kommen. Belassen wir es dabei, dass das Foto nur aus einem seltsamen Zufall heraus entstand, aber es soll diejenigen ein wenig ärgern, die sich über nicht ausreichenden Reichtum lustig machen.

  Ferrari, Frau und glücklicher Galeris
  Berlin, 2001
Schauen Sie sich das Foto ruhig etwas genauer an, denn nun hört es eine Weile auf mit derlei optischen Anregungen.
(Hin und wieder brauchts etwas Mut zu Geschmacklosigkeit)
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In den 1970ern kursierten mehrere linkspolitische Journale, die im Zeichen der sexuellen Befreiung zwischen ihren revolutionären Aufrufen auch Damen ohne schwarzen Balken vor dem Gesicht zeigten. Als dann andere Frauen als Unterwanderung die Linke übernahmen hatte man schnell den Eindruck, dass man in vielen Klöstern in vorigen Jahrhunderten mit unterirdischen Gängen nach draußen und 3 Liter Wein pro Tag und Frau weit lustiger drauf war als die neuen Tugendwächterinnen und Brustzensorinnen der Jetztzeit ohne Kräutergarten.

Doch nicht die Tugend der westlichen Hemisphäre im Norden ist von Bedeutung und Interesse, sondern die Moral in Togo. Es ruft der Muezzin, die ersten Vollverschleierungen von dicken älteren Frauen sind angekommen und man fragt sich, welche Aufreizungen denn da versteckt werden sollen. Es scheint eher gut, dass man da so wenig wie möglich sieht. So wie die watscheln. In den Kirchen treffen sich ebenfalls meist dicke Frauen. Viel viel dick, denn in Togo beginnen die meist und zunächst eher zierlichen Mädchen so ab etwa 25 sehr rege in der Horizontalen zu wachsen. Inbrünstig wird dann Jesus geliebt und ich mache mich regelmäßig unbeliebt wenn ich frage, wie man denn einen Toten lieben kann? Es wird mit falschen Stimmen gesungen und dann hasst der Priesterbrüller alle, die nicht sind wie er sie gern hätte und gröhlt darob cholerisch in sein Mikro. Seit es mit den katholischen Gesangsausbildungen bergab geht und immer mehr wiedergeborene Schreiereien zu hören sind, wird klar, dass Afrikaner nicht zwangsläufig mit Rhythmus geboren werden. Afrikanerinnen auch nicht.

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Vom mopsen und wackeln
 

Ein weiteres Klischée mit dem Afrika belegt ist, ist klauen. In großem Stil viel Kleines. Sehr sehr viel und sehr sehr oft wird Besitztum von jemand Anders anders interpretiert als zum Beispiel in Deutschland. Solange man nicht selbst betroffen ist, hat es fast schon was von einer sozialistischen Umverteilung und ein klein wenig was von Robin Hood. Wird man erwischt, war es wegen irgendwelchen Kinderlein die Hunger haben oder weil ja meine Großväter kolonial geklaut hätten, gäbe es heut das Recht, stellvertretend mich zu erleichtern.

Im letzten Artikel habe ich mich dagegen verwehrt, ein böser Mensch zu sein. Doch nun tu ich etwas, das ganz arg böse ist. Es geht so hin und es geht so her. Darf ich, darf ich nicht? Ich betone, für junge helle Frauen der Kulturwissenschaften: In der Anrede der Gegenwart habe ich eine andere Wortwahl ! Es gibt so Überlieferungen, meist aus Briefen, von einer Zeit in der alles nur sehr böse war. Natürlich nur böse, wenn der Beteiligte aus dem imperialen Norden kam. Und doch hieß es von den per se Guten, also den unterdrückten, ausgebeuteten, geschlagenen, verkauften indigenen Einwohnern damals so: Ein Neger der geht ist verdächtig. Ein Neger der rennt, ist schuldig.

Nach vier Einbrüchen und unfassbar viel fehlenden Kleingerätschaften entwickelte sich die böse Tendenz, diesen alten Spruch wieder auszukramen. Da ich aufgrund meines letzten Artikels mehrfach als Rassist in Deutschland angeschmiert wurde weil mein Outing-Spaß falsch interpretiert wurde, möchte ich aber nun schon vorauseilend höflich darum bitten, diesen Satz in seinem historischen Kontext zu sehen und ihn nicht mir in den Mund zu legen. Wenn ich verschont bleibe, kommen noch so ein paar Dinger. Doch fast Alle hier in Togo noch nicht so lange Lebenden, die zum Helfen oder zum Ausbeuten nach Togo kamen, werden bestätigen: Ein Neger kriegt auch einen dreibeinigen Hocker zum wackeln.

Auch ein historischer Spruch, den man modern umformen sollte. Ist aber zu mühevoll, denn eigentlich wollte ich noch einmal auf die kleine Diebin Bernadette zu sprechen kommen, die sehr schnell rennen kann.

Am folgenden Bild sieht man schön, was ein ganz leicht übergewichtiger Mann mit Bier in der Hüfte eigentlich nicht mehr kann. Wieder einmal also kam die kleine Diebin. Ich ließ sie nicht mehr zur Hoftüre herein und hatte vorsorglich oben die Flurtüre abgeschlossen. Einen Moment nicht aufgepasst - und schon stand sie im Hof. Es folgte eine Auseinandersetzung, bei der Blumentöpfe flogen, mein Motorrad auch und die kleine Diebin auch. Und wieder einen winzigen Moment nicht aufgepasst, hatte sie mir meine Schlüssel geklaut und rannte. Nun stand ich also im Hof und kam ohne Schlüssel nicht mehr in meine Wohnung. Am Sonntag mittag. Sehr sehr heiß. Und in Avepozo hat kein Nachbar zufällig eine Leiter.

Was tun? Nur mit einer kurzen Hose bekleidet, die aufgrund heftiger Körperkontakte schon reichlich angeschmutzt. Telefon, Geld, Zweitschlüssel, Werkzeug. Alles hinter verschlossener Tür.

Als sie mein Motorrad umgeworfen hatte, riss es den Autoschlüssel vom Bund weg und mit Glück sah ich ihn noch ein winziges bißchen aus dem Sand gucken. Im Auto fand ich die zwei Plastikkisten, ein Abschleppseil und einen Spanngurt. Mit dem Spanngurt band ich das Holzteil fest, damit ich zwei Tritte bekomme und das Abschleppseil warf ich, auf den Plastikkisten balancierend, über die Balustrade und knotete unten eine Schleife hin, die ich auch die wieder als Stufe verwenden konnte.

Das, wenn jemand gefilmt hätte, wie der Herr Künstler und Galerist mit 95 Kilo über dieses wackelige Ding nach oben eierte. > Brunnen, Paletten, Steine, Kisten, Holz und Gurte >

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Einstiegshilfe
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Angewohnheiten
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In Deutschland hat man ein Bild von Afrikanern. Doch was haben die Afrikaner für ein Bild von Deutschen?

Der Mann aus den Wäldern des hohen Nordens, der Cheri Coco meiner ehemaligen Wirtin der Bar jeglichen Vertrauens und die Schweizer Handwerksgesellen sind wieder im Land. Sie also sind die Repräsentanten unserer hoch gestellten Kultur und prägen das Unverständnis derer, die noch nicht das Glück hatten, in Europa Feldstudien zu betreiben. Kein Freund von Finger in einer öligen Soße, weil in Togo fast immer und fast alles ohne Hilfsmittel von Hand in den Mund geschoben wird, drehte ich die lästerhafte Sichtweise einmal um und schaute einem Deutschen zu.

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Das Essensritual des Herrn C. aus F. in Deutschland am Tisch der Togoerin

Im Restaurant und Bar jeglichen Vertrauens. Die Inhaberin hat einen neuen bleichen Schnuckiputzi aus deutschen Landen frisch am Tisch. Die Teller kommen. Gemeinsam wird begonnen. Er. Den Kopf nach unten, an den Hals herangezogen, dass zwischen dort und Kinn die Falten schlagen wie bei einem Mops. Oder besser, wie bei einer alten dürren Jungfer, die das schlimme Wort Ficken empört hörte. Über die starke Brille hinweg beäugt, was da so als Material auf feindlichem Teller liegt, beginnt ein Prozess, der bei Anderen Essen heißt.

Den Fisch seziert in archäologischer Genauigkeit. Jede Gräte einzeln abgelutscht und sorgsam auf einem Tellerchen abgestreift. Die Gabel hält, das Messer geht in jeden kleinen Winkel. Zieht Quadratmillimeter für Quadratmillimeter sorgsam beiseite. Nicht der herzhafte Biss. Nein. Es wird gefieselt und gepuhlt. Mit Daumen und Zeigefinger werden kleine Fasern gezogen, die sich, zu klein, den Instrumenten verweigern. Einzeln die winzige Portion zum Mund geführt, wobei sich wieder und wieder für einen Moment die Faltenlage am Kinn entspannt. Dann wieder der analytische Blick über die Brille hinweg, das Kinn zurückgedrückt, gefaltet und die nächste Faser gezogen. Während diesem Vorgang entdeckt der Blick über der Brille einen Bestandteil in der Soße, der nun, sorgsam getrennt von der Restmasse, mit dem Messer an den Tellerrand geschoben wird.

Was andre essen und Herr C. nicht mag, ist für ihn schlichter Fraß den andre fressen. Was ich als Unhöflichkeit übrigens rassistischer finde als Neger sagen. Eine kloßartige Konsistenz von Mais-Akumé bis Jams-Foufou ist Fraß. Eine Soße mit Okragemüse oder Bitterleaf-Gemüse die leichte Fäden zieht: Fraß. Womit fast alle lokalen Gerichte Westafrikas für den Akribaten wegfallen, was aber vehement bestritten wird mit der Rechtfertigung, dass man ja Attieké mögen würde. Auf das dann allerdings die internationalisierte Tomatensoße kommt. Mark aus der Dose. Angereichert mit Gewürzbrühwürfel von seiner Gattin in spe die Köchin sein will. Billige Kopien aus China des bekannten Maggiwürfels. Dazu Fisch, den Herr C. mal mag oder mal nicht mag, oder Fleisch, moniert, weil viel zu zäh, das Huhn zu klein, die Soß zu wenig. Und selbst wenns doch mal stimmt, geht jedesmal der halbe Teller unaufgegessen zurück. Und das nach etwa 45 Minuten rumgepuhle.

Die Togoer und ihre innen mit ihrer Angewohnheit individuell und einzeln zu Essen wann sie Hunger haben, werden in diesem Beispiel als Frau mit Sohn an deutsche Sitten des Biedermeier gezwungen. Die Gabel geht erst in den Teller, wenn die neue Kleinfamilie gemeinsam am Tisch sitzt. Was nun aber leicht komische Situationen schafft, da die indigene Dame des Hauses einen ähnlichen pingeligen Genauigkeitskult mit Kleingeld betreibt, das ihre ungelernten Bedienungen nicht haben, weil sie Angst hat, dass auch sie beklaut wird. Bevor also die Gabel in die Nudel fährt, wird umständlich in einem Plastiksäckchen nach Münzen gesucht und der Bedienung nachzählend in den Rausgeldteller gelegt um einen Kunden abzurechnen. Kunde maskulin, denn in Togo zahlt der Mann. Frau nur, wenn sie gerade keinen hat. Während also Herr C., der Deutsche, brav mit seinem ersten Bissen wartet, bis sie die Rausgeldaktion beendet hat. Denn das sorgfältig ritualisierte Essen findet während der Arbeitszeit statt. Mittags zur Arbeitszeit und Abends zu Arbeitszeit. Die gewerkschaftlich vorgeschriebene Pause ohne Gewerkschaft.

Eine vorsichtige kleine Kritik der Dame am deutschen Ritual wird abgeschmettert mit einem: Ich bezahle, also wird gemacht was ich sage. Eine Ableitung des altdeutschen Satzes: Solange du deine Haxen unter meinen Tisch streckst, wird gemacht, was ich will. Aber Wow aber auch. Sogar der Saft einer Kokosnuss, den alle anderen aus der mit der Machete geöffneten Schale trinken und dann ausschaben, bleibt solange in zwei deutschen Biergläsern stehen, bis die Dame kommt und man nun gemeinsam zum Trunke ansetzt. Hier wird nun das aus Germany mitgebrachte Vesper-Messer herausgeholt um so etwas wie Bauarbeiter oder Cowboy zu imitieren, mit stehender Klinge länger als handbreit. Umständlich aufgeklappt und das Kokosmark, vorher ins Glase gegeben, damit wieder herausgeholt.

Die Bitterkola, eine Art Nuss die in Afrika jeder Mensch in den Mund steckt und auf einmal kaut, wird in sorgsame kleine Scheibchen mit je einem Millimeter geschnitten und mit jenem gut geschärften Messer, das danach sorgsam und akribisch gereinigt wird zum Munde geführt, womit eine kleine Hommage an Rustikalität und Naturbursch zelebriert wird, die andere staunen macht. Hin und wieder wird als Liebesbeweis der potenziellen Göttergattin ein Scheibchen am Messer angeboten. Jedes Scheibchen in einem Abstand von zehn Minuten mit einem Gesicht, als wäre die Medizin ein Hochgenuss.

Auch alle Hülsenfrüchte fallen weg. Die feine Linse, die rustikal furzende Bohne, die Kichererbse, das Basic der orientalischen Küche, alles ignoriert zugunsten der Nudel aus billigem Weizen und Reis von Monsanto. Während der Herr bei seiner Art von unfassbarer Langsamkeit zu essen knochig schlank bleibt, wird die baldige Gattin immer dicker. Sie hat nun nämlich zwei Angewohnheiten. Dem Liebenden zuliebe erfüllt sie ihm den Wunsch der Gemeinsamkeit, während sie außerhalb der gewerkschaftlich vorgeschriebenen Pause nach alter Manie ihre Klöße und Fäden ziehenden ölige Soßen nascht. Auch Salat ist halt so eine Sache für sich und muss den Kohlehydraten weichen. Vitamine sind kleine Tierchen, die daran auf und ab klettern. Ihre Gesellschafter sind böse Bakterien, die viele viele Krankheiten übertragen können, die verkochtes Weizenmehl und Dosentomate nicht verursachen.

Als hors-d'œuvre gibt es eine Malariaprophylaxe der europäischen Chemieindustrie, die wahlweise an die Leber, an die Niere oder an die Sehnerven geht. Macht es vielleicht noch einen kleinen Sinn für den Kurzaufenthalt eines Europäers, wird das Gemeinsamkeitsritual auf Tabletten ausgedehnt und nun die Pille gemeinsam mit der indigenen Liebsten als Ritual vorab geschluckt. Dass die Prophylaxe mit den weit weniger schädlichen lokalen Pflanzen wie Kpatima oder Kinkiliba oder mit dem chinesischen Beifuß, wenn schon denn schon, gemacht werden könnte, ist mit zuviel Arbeit beziehungsweise Zeit verbunden, die man ja für das Essen und das Puhlen benötigt.

  Schnuckiputzi Clemens Luber
home The two Schnuckiputzie's
Die schöne Martine mag gerne Europäer für Investitionen in die Zukunft und muss viel dabei aushalten. Herr Clemens Luber rührt zum Frühstück. Klingkling, kling, klingeling klingkling, kling, klingkling, kling, klingeling klingkling, kling,....

Knorr & Maggi kleine graue Linie

 
Trotz aller seltsamen Essgewohnheiten, die in Deutschland eine Erklärung für die hohe Scheidungsrate sein könnten, ist es so, dass wir, wie keine andere Rasse, das Essen der Welt beeinflusst haben. Nicht die Franzosen, die bekannt sind für ihre Froschschenkel, die sie aber nur selber essen. Nicht die Italiener, die ihren Pizza-Siegeszug ja auch erst über Gastarbeiter in Deutschland antraten und die Spaghetti den Chinesen abschauten. Nein, die Alemannen sind die größten Weltbeglücker. Es ist der Maggiwürfel. Keine andere, billigere Marke schafft das Rennen. Egal wer Brühwürfel herstellt, egal woher die Kopien kommen, alle werden, in allen Sprachen, Maggi genannt.

  Maggi und Knorr in Lomé
 
Die zweite alemanische Weltmarke aus dem Grenzgebiet zu Franken ist Knorr. Begründet von Carl Heinrich Theodor Knorr, dessen gleichnamiger Sohn zum großen Sammler und Mäzen afrikanischer Kunst wurde und das Linden-Museum in Stuttgart erheblich mit Bronzen aus Nigeria bereicherte. Das Bild ist aufgenommen in einem kleinen Supermarkt in Baguida. Dort wor die Deutschen, vertreten durch Herrn Nachtigal, und notable Togoer vertraglich ihre gemeinsame Zukunft ausbaldowerten und dabei ihre gemeinsame Liebe zu Bier und Gewürzbrühwürfel entdeckten.

  Maggi Regal
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Es kam ein Bildgruß zum Thema. Nicht nur in Togo, auch in Mitteldeutschland Ost trat Maggi seinen Siegeszug an. Weltumspannend. Danke, © Holger Wendland aus Dresden. Selbst Spitzenköche schummeln mal, dass schneller geht. Maggi bringt die Weltgeschmäcker zueinander.
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Die durstigen Deutschen
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Nachdem das Essen mit seinen kleinkarierten Etiketten schon ein wenig befremdlich wirkt und die Togoer und ihren innen strikt dabei bleiben, Finger in der Soße kultiviert zu finden, wollen wir uns Trinken betrachten.

Was an fermentiertem Gemüse- und Getreidesaft bierisch in einen Germanen hinläuft, ringt dem Togoer erklecklich Bewunderung ab. Der Mann mit dem Oufit aus den Wäldern des extremen Nordens hat es bei der Toleranzgrenze seiner Nieren und Leber schon etwas weiter gebracht als die Schweizer, die mir nur weit oberhalb der Promillegrenze bekannt sind. Wasser ist zum waschen da. Ein sprudelndes Zuckerwässerchen wird noch als Alibi des morgens eingepfiffen doch spätestens um zehn gibt es das erste Bier. Etwaiges Unwohlsein als Resultat des vorigen Tages, hört dann glückseelig auf und mit dem ersten Schluck, von den Göttern ausgegeben, macht sich Wohlsein breit. Um diesen Zustand nachhaltig auf Niveau zu halten, wird nun immer wieder kurz pausiert um den hohen Flüssigkeitsbedarf der traumatischen Tropen zu stillen.

Der nun neu eingetroffene Freund und neuer Cheri Coco, was übersetzt soviel wie Schnuckiputzi heißt, hält tapfer mit. Hat das togoische Schnuckiputzipendant doch eine schöne Bar. Die Bar entstand gewissermaßen in Etappen. Der frühere langjährige Freund, ein Yowo, also hell aus dem hohen Norden, wollte die Gute ein wenig aus dem Hause haben und lies sie Gastronomin werden. Nachdem er, der Helle, merkte, dass auch das wenig Sinn machte und dies weder ihr intellektuelles Niveau noch ihren Geldbeutel anreicherte, ließ er von ihr ab. In gewissen Abständen tauchte nun ein neuer Heller auf, den die Schöne regelmäßig ein wenig investieren ließ. Mitleid heischen lernt man in Afrika früh und sie war wirklich mal hübsch. Tja. Als dann schon lange kein relevant nutzbarer Heller mehr auftauchte, die Figur togoisch schon leicht in die Breite wuchs, die Beine unterhalb vom Knie kilobedingt langsam nach außen knickten und die Kneipe leergewirtschaftet war, kam der Freund des Wurstmacher Rainer und brachte sehr viel Durst mit. Deutschen Durst und Tischmanieren. Um sich kosmopolitisch zu geben und anwesenden Franzosen Achtung zu zollen, wird nun Pastis, Wein und Bier in heftigem Durcheinander im Ulcus zusammengebracht.

Auch er investierte. Gut. Nicht mehr so viel wie der Franzose und an seine durstigen Interessen geknüpft, aber für ihre Mitte Dreißig besser als nichts. Der Franzose kaufte schöne Kleider, Herr C. aus F. baute ein Scheisshaus für sie. Diese Freunde sind nun in unserem schönen Baguida-Avepozo beisammen und bestimmen das Bild. Natürlich gibt es noch andere Deutsche, doch die sind meist mit von vier Rädern angetrieben Fahrzeugen unterwegs zur Arbeit, danach wieder nach Hause und warten dort, bis ihre langweiligen Jahre in Togo endlich vorbei sind. So lange werden sie und ihr Auto ständig bewacht. Obwohl die meisten davon der Hilfsindustrie angehören, vermitteln sie den Eindruck von Pünktlichkeit und Disziplin, was gleichbedeutend mit "toll arbeiten" assoziiert wird. Auch haben sie meist schöne große teure Häuser, die Togoern gehören, die mit dem Erlös lieber in Europa leben.

Nicht wie die auffälligen Freunde, die insgesamt eher aus prekären Verhältnissen stammen, sich dafür aber um so deutlicher der indigenen Öffentlichkeit zeigen. Wo Alkohol die akademische Vergangenheit schon weitgehend löschte oder bei den anderen ohnehin noch nie viel vorhanden war, heißt der gemeinsame Nenner: Bier. Die geteilte Freude: In Togo keine Alkoholkontrollen.

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Mercedes
  DieselDaimler
  Berlin war früher. Nun ist es Lomé. Wurstmacher Rainers hinterlassenschaft, von seinen Freunden abgefackelt.
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Eigentlich war Versöhnung mein Plan und von oben beschriebenem Freund des Wurstmachers kaufte ich vergangenes Jahr einen schönen Daimler um den nun nicht mehr schönen zu ersetzen. Es ging fehl. Eine dumme Idee. Auch er legte mich wieder rein und die Karre war in einem nicht zu nutzenden Zustand. Nach einem Jahr ist nun die die Anzeige der Abfackelung beim Gericht angekommen und wir können das schwäbisch-technische Wunderwerk wieder herrichten. In Deutschland wäre er ein Fall für den Schrott, doch in Lomé ist die Arbeitskraft günstig und der TÜV nicht so genau. Da der Brand in den Sitzen begann ist die sparsame Elektrik und die Mechanik heil und aus einem Unfallauto werden wir das Innenleben ersetzen.

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Die Post
 

In der Hoffnung, den anderen Daimler doch noch irgendwie hinzubekommen, musste nach mehreren Versuchen, die Irrtümer enthielten, ein weiterer her. Doch das geht nur mit etwas, das es in Togo scheinbar nicht gibt.

Post also ist dieser große Raum in dem Frau, Mann oder Zwischengeschlecht Regaleweise sehr teure Sonderangebote anschauen können, wenn sie, er, es ein Paket abholen möchten, für das sie/er/es den Zettel im Briefkasten gefunden hat obwohl man da war, und nun dieses Schicksal mit 50 anderen teilt, die in einer Schlange bis raus in die Torstraße stehen.

Post gibt es auch in Togo. Sogar eine Zentralpost. Kommt ein Paket aus einem Ausland, muss man obligatorisch dort hin, denn zu den Mitarbeitern der Postfilialen hat man kein Vertrauen. Um nun für mein kaputtes Getriebe ein Spezialmessstab zu bekommen nimmt man das Internet, das es nun in Togo gibt und bestellt das Ding in weiter Ferne. Die irgendwie deutsche Firma DHL erledigt dies zuverlässig innerhalb von zwei Wochen, selten länger. Die meinen, ein SMS sei überflüssig, sei gesagt, die Post in Lomé nutzt dies um zu melden, dass dieses Paket angekommen sei, von dem man seit einer Woche nur noch die gefrorene Seite der Versand-Verfolgungs-Nummer gesehen hat.

Pling. Juhu. Der schon leicht angefrustete dritte Brief an den Kurier war überflüssig. Das Päckchen ist da. Hinauf aufs Moped. Hinein in die Stadt. Ein großes, unfassbar herrlich heruntergekommenes Gebäude aus Tagen, als bei allen Institutionen noch der Franzose ein Chef war, bevor die Unabhängigkeit kam und überall nur noch an zweiter Stelle ein Franzose weiterhin alles kontrolliert. Das Päckchen geholt und ein riesiges Buch aufgeschlagen, in das nun akribisch alles Wichtige verewigt wird. Den Stempel hinübergereicht in den nächsten Schalter, weil nur der dort noch ein Stempelkissen hat, wieder zurückgereicht und Bumm, Bumm, Bumm. Niemand haut Stempel so schön und schwungvoll wie Postler und Postlerinnen, die mit elegantem Schwung die 25 % weniger Muskelmasse auszugleichen wissen. Weltweit.

Dann gibt es, da drüben, einen Raum, da ist ein Zöllner und ein Raum daneben, da ist sein Chef. Eigentlich könnte man nach Paketübergabe unauffällig von dannen schlendern, doch man ist ja Gast in einem Land und benimmt sich nicht wie in Deutschland zugereiste so genannte Flüchtlinge, die Selbstbedienungsladen anders als schon länger dort Lebende interpretieren. Selten kommen Pakete, denn Togoer kleckern nicht, sie klotzen und schicken lieber Container. Das macht ähnlich viel Aufwand wie ein Päckchen, es geht aber sehr viel mehr rein. So wie vorher am Schalter, freut sich auch der Mann in strenger Uniform, die, im Gegensatz zum Gebäude, sakrisch sauber und auch noch gebügelt ist. Man macht immer gern Bekanntschaft mit Menschen, die aus fernen Ländern kommen, in die man auch möchte und so wird man schnell und lässig zur Option.

Nun kommt ein gefährliche Moment. Das Öffnen und inspizieren. Aufgewuchtet mit einem Messer, das seit 1996 nicht mehr geschärft wurde und das Füllmaterial auf dem Schreibtisch ausgebreitet guckt er dieses seltsame Ding der Weißen an, die ein ganzes Leben lang immer für Überraschungen gut sind und lässt sich ein wenig erklären, welchem Zweck es dienen soll. Ein Deutscher bekommt etwas, mit dem er arbeiten möchte. Das ist gut, das ist zukunftsfördernd und nach einer Minute sichtbaren Grübelns wird entschieden, dass der Warenwert von 12 € kein Zoll kostet. Oh. Welch ein Glück. Heute inklusive Warten nur 45 Minuten.

Dann wird hineingestopft und nachgedrückt, der Puls steigt, wird er es kaputt bekommen? Heute nicht, ein guter Tag. Warum das Päckchen nicht bei DHL in Avepozo ausgeliefert wird, deren Büro 200 Meter von mir entfernt ist, bleibt Geheimnis. Ich vermute aber, es hat mit den spärlichen Zolleinnahmen zu tun, die sich nicht auf zu viele Beteiligte lohnenswert verteilen lassen.

Schon vor dem analogen Besuch gab es einen digitalen, auf der die Angebote der togoischen Post aufs wärmste angeboten werde. Die dümmlichen Menschen auf den Fotos sehen ähnlich bekloppt aus wie in Deutschland, nur lächeln sie ein wenig dunkler. Es gibt dort einen Newsticker, der auch auf französisch so heißt. Und was sehe ich dort:

  Deutsch togoische Kooperation
  Fotografiert von einem Menschen, der technisch das Problem der unterschiedlichen Hautfarbe noch nicht gelöst hat. Entweder Dunkle sind zu dunkel oder Helle sind zu hell. Nie kann man es beiden recht machen, denn Helle wollen gern dunkler sein und Dunkle gerner heller. Einen und Eininn trifft es dabei immer ungünstig. Diesmal durften die Hellen im richtigen Licht erscheinen.
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Der hochoffizielle Text unter dem Foto besagt etwas von Kooperation. Ich bin mal platt. Von der deutschen Sparkasse ist die Rede, von Protokoll, von Januar 2018, von Togoern die Experten seien und nach Deutschland reisen werden, von einer Kartografie der Ressourcen, von einer Akademie Postal ist da gar die Rede und davon, dass in dieser Reisezeit die Kundenbetreuung ein wenig leiden wird, weil die Experten so schwer zu ersetzen seien. Für die angegebene Versand-Verfolgungs-Nummer gibt es keine Seite.

Das kommt in Deutschland bei den Menschen die auf der ganzen Welt Gutes tun wollen sehr gut an. Wer will da schon so was profanes wie Tracking-Number. Vermutlich kommt auch der Text unter dem Bild von ihnen. Dies alles steht in seltsamen Kontrast zur Hauptpost, in der Expertentum mit stempeln zu tun hat. In den zwei Wochen Aufenthalt in Deutschland gibt es sicherlich auch einen Tagessatz, so unter Beamten ausgehandelt, wo man genügend Zeit hat damit einzukaufen um für Gruppenfotos etwas herzumachen. Nur, was machen denn da die Sparkassen?

Man kann und muss nicht alles wissen.

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Bier
 

Wie ich nun so dasitze, unter Bäumen, vor Bier, wieder auf dem Mechaniker warte, der nach Messstabmessen zwei Liter Öl zuviel im Getriebe lotete, kommt die Bedienung. Von den Fleischspießchen neben dem Bier nimmt sie sich einfach eines, denkt sich #metoo und wirft mir vor, mich schon lange nicht mehr um sie gekümmert zu haben. Ich habe mich noch nie um sie gekümmert, aber das ist nun schon das dritte Mal, dass sie sich an meinen Accesoirs bedient. Das letzte Mal bekam ich ein Bier mehr berechnet. Doch doch, das hätte ich eindeutig zugesagt.

  Ziege und junge Dame
  Ziegen haben es gut in Avepozo
 

Sie müssen sich das ungefähr so vorstellen: Sie sitzen in einem süddeutschen Biergarten und werden massiv von einer korpulenten Bedienung mitte Vierzig angegraben. Sie nimmt einen Schluck von ihrem Bier, fingert ein wenig in Ihrem Teller rum und beschimpft Sie, weil Sie sich schon zwei Wochen nicht mehr blicken ließen. Sie wundern sich, weil Sie noch niemals eine Avance äußerten und auch die bisherigen Trinkgelder schön, aber nicht so üppig gegeben wurden, dass man aus dieser Geste etwas hätte ableiten können. Dann kommt ein Bekannter mit Hund auf Sie zugelaufen, der sie grüßen möchte. Kreischend habend Sie plötzlich die Korpulenz auf Ihrem Schoß, die Sie zu allem Elend nun auch noch Schutz suchend umarmt und Wange an Wange drückt. Dies alles in einem Plastikstuhl, der sehr knapp auf das eigene Gewicht tariert ist. Die Gefahr machte mich traumatisiert. Da möchten Sie doch auch sagen: #me_not

So geschehen unter den Bäumen von Avepozo. Ich finde, wir armen und gequälten und ausgebeuteten und diskriminierten Männer sollten uns zusammentun um afrikanische Damen in ihre Schranken zu weisen. Alleine ist man so hilflos. Kein Schutzraum für die Blase weit und breit.

home so sieht warten aus
und so sieht warten auf den Mechaniker aus

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