Galerie Peter Herrmann
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Alte Kunst aus Afrika
 
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Womens head
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Thermolumineszenz - Expertise

TL-Expertise

Gedenkkopf einer Königinmutter

Benin, Nigeria
16./17. Jh.
Bronze
55 cm

 

 


Linie Grau
Gedenkkopf einer Königinmutter:

Der aufgetürmte Korallenkopfschmuck ist ein wichtiges Attribut der so genannten Königinmutter. Die Bezeichnung geht angeblich auf den Oba Esigie zurück, der bis 1550 regierte. Er soll seiner Mutter Idia aus Dankbarkeit und Respekt den Titel Iyoba (= Königinmutter) verliehen und diese Darstellungsweise eingeführt haben. Seit Esigie hätte jeder Oba drei Jahre nach seiner Inthronisierung der Mutter diesen offiziellen Titel geben können. Von den 38 Oba der gegenwärtigen Dynastie hätten das jedoch nur 17 geschafft. Als Iyoba besetzte sie als einzige Frau eines der höchsten Ämter in Benin und konnte von ihrem Sohn - dem Oba - bei allen Staatsangelegenheiten zu Rate gezogen werden. Das bedeutete insofern eine gravierende Veränderung als der Oba mit der Übernahme seiner Ämter die eigene Mutter gewöhnlich nie wieder zu Gesicht bekam. Nach ihrem Tod widmete der Oba ihr einen eigenen Altar, um jährlich Opfer zu bringen. Er errichtete entweder im königlichen Palast oder in der Residenz der Iyoba in Uselu einen Schrein mit entsprechendem Gedenkkopf.

Die für eine Mutter ungewöhnlich mädchenhafte Darstellung zeugt von einem hohen Grad der Idealisierung und deutet darauf hin, dass die idealisierende Geste der Verehrung wichtiger war als die Erinnerung an das realistische Abbild. Viele Iyoba-Darstellungen waren an Esigies Modell angelehnt und meist mit folgenden Attributen ausgestattet: lange korallenverzierte Frisur, Korallenhalsschmuck und jeweils vier kleinere Schmucknarben über jedem Auge sowie zwei größere über dem Nasenbein. Die zwei mittleren heute wie Gravuren aussehende Narben muss man sich mit den traditionell eingefügten Metallplättchen vorstellen, die bei den meisten Objekten heute verloren gegangen sind. Oft ist dieser Kopf wie hier auf einen mit Flechtwerk oder Fischornamenten verzierten Sockel gestellt, noch häufiger wird der Sockel weggelassen.


Vgl.:
Paula Girshick BEN-AMOS: The art of Benin, London 1995, S. 35/ 36.
Ekpo EYO, Frank Willett: Kunstschätze aus Alt-Nigeria, Mainz 1983, S. 134.
Felix von LUSCHAN: Die Altertümer von Benin, Band 1, Berlin 1919, S. 356/ 357.
Till Förster: Kunst in Afrika, Köln 1988, S. 110/ 111.
Barbara PLANKENSTEINER (Hg.): Benin. Könige und Rituale. Höfische Kunst aus Nigeria, Wien 2007, S. 395 - 398.


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Vergleichsobjekte:  
Abbildungen:
 
Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum
 
Felix von LUSCHAN: Die Altertümer von Benin, Band 1 -3, Berlin 1919, Tafel 51 und 52.
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Till Förster: Kunst in Afrika, Köln 1988, S. 111.
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Barbara PLANKENSTEINER (Hg.): Benin. Könige und Rituale. Höfische Kunst aus Nigeria, Wien 2007, S. 396.
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Schmuckmuseum Pforzheim (Ausstellung, 28. Mai bis 27. August 2000)
 
Ife, Akan und Benin. Westafrikanische Kunst aus 2000 Jahren, Pforzheim 2000, S. 53.
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Nationalmuseum Lagos  
IEkpo EYO, Frank Willett: Kunstschätze aus Alt-Nigeria, Mainz 1983, S. 135.
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Jacques KERCHACHE, Jean-Louis PAUDRAT, Lucien STEPHAN: Die Kunst des Schwarzen Afrika, Freiburg 1989, Abb. 458.
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Liverpool Museums, Liverpool
 
William B. FAGG: Bildwerke aus Nigeria, München 1963, S. 43.

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Links
Iyoba Idia: The Hidden Oba of Benin

Queen Idia - The first Iyoba of Benin Kingdom

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