Galerie Peter Herrmann
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Alte Kunst aus Afrika
 
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Hahn der Benin-Kultur


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Hahn Thermolumineszenz- Expertisen
1. Analyse und 2. b-Probe
Benin-Kultur, Nigeria
+- 330 Jahre alt (+- 1685)
Bronze
42 x 46 cm
Hahn - 1. Analyse Expertise Hahn
 

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Erläuterung

Sockel mit Flechtbändern geschmückt. Mit großer Sorgfalt im verlorenen Guss ausgearbeitet. Naturalistisch lebendig im Ausdruck. Einige Details mit feinen Meiseln punziert. Unerheblicher kleiner Gussfehler im Nackenbereich. Sehr guter Erhaltungszustand. Langsam gewachsene Patina ohne extreme Witterungseinflüsse. Seltene Darstellung mit einem Maiskolben, was auf eine privilegierte Fütterung schließen lässt.

Dieser für sein Alter in ungewöhnlich gutem Zustand erhaltene Hahn stammt aus nigerianischem Familienbesitz und wurde noch vor Inkrafttreten des so genannten Kulturgutschutzgesetzes im Frühjahr 2016 nach Deutschland exportiert. Um die auf mehreren Galerieseiten zitierte UNESCO-Convention zu berücksichtigen, wurde eine Abbildung des Hahnes an insgesamt 4.000 Adressen gesandt, unter denen sich Organisationen die sich mit Restitution beschäftigen ebenso zu finden sind, wie eine Anzahl afrikanischer Museen und Kunsthistoriker.

Im Internet abgebildet seit 12. Mai 2016

Da Bronzen aus Westafrika und im besonderen der nigerianischen Benin- und Ife-Kulturen in weit größerer Anzahl vorhanden sind, als in ethnologischer Literatur suggeriert, hat der nigerianische Staat an Objekten die aus dem Handel stammen in der Regel kein Interesse. Die Kapazitäten der vorhandenen Museen würden nicht ausreichen um sinnvoll lagern zu können. Anders bei Objekten aus dem Raubfeldzug von 1897 oder nachweislich gestohlenen Objekten aus Museen. Tauchen Objekte aus diesen Quellen auf, ist sofort ein erhöhtes Interesse seitens nigerianischer Kunsthistoriker und Museen vorhanden. Zeitgleich mit der Veröffentlichung dieses hier angebotenen Hahnes wurde in einem College der Nähe von London durch eine studentische Initiative ein ähnlicher Hahn als Beutegut moniert, was nach erheblichen Protesten eine Rückführung nach Nigeria erbrachte.

Dass die von Peter Herrmann publizierte Anzahl zu Bronzen nicht nur bei Ethnologen auf unwissenschaftlichen Widerstand stößt, sondern aus Gewinngründen auch bei marktführenden Galeriekollegen, ist als Erwähnung leicht nachzuvollziehen. Dadurch wurde Peter Herrmann oft zur Zielscheibe eigentümlicher Interessenverbindungen. Um negativen Wirkungen dieser Angriffe möglichst zu entgehen, war es schon immer Strategie, bei Zweifel umgehend zu veröffentlichen. So erfordert auch dieser Hahn eine erweiterte Ausführung, bevor wieder einmal Gerüchte ins Kraut schießen.

Wie seit 2011 mehrfach geschehen, wurde auch dieses Objekt angefragt und Kaufinteresse signalisiert. Doch stellte sich schnell nach einem gewissen Stadium heraus, dass es sich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit um einen so genannten fingierten Ankauf handelt. Verkürzt: Sofortiges Storno nach An- oder Bezahlung. Dies erfordert ganz besondere Aufmerksamkeit, da mit solchen Aktionen die Reputation und die Fachkenntnis von Peter Herrmann in Frage gestellt werden soll. Wie in mehreren Artikeln publiziert, tauchen dabei im Hintergrund immer wieder dieselben Namen auf. So auch hier.

Peter Herrmann ist von dem Labor Ralf Kotalla authorisiert, in Westafrika Proben von Terrakotten und Gusskernresten von Bronzen zu entnehmen um hohe Transportkosten und Einfuhrprobleme zu vermeiden. Da Ralf Kotalla und Peter Herrmann wissen, dass diese Konstellation von einigen Menschen zu Unterstellungen bezüglich Eigeninteresses ausgelegt wird, ist der Probeentnehmer auf der Expertise genannt. Wir können allen Kunden im Übrigen versichern, dass es ein gehobenes Interesse des Galeristen ist, die Spreu vom Weizen zu trennen. Wie ausgeführt, besteht die Problematik bei Terrakotten und Bronzen ja darin, dass mehr Originale vorhanden sind, als von der traditionellen Wissenschaft angenommen. Man hat hier also keine höhere Nachfrage als Objekte vorhanden sind, sondern die umgekehrte Situation von mehr Objekten als Nachfrage. Ein ausführlich beschriebenes Beispiel eines gefälschten Ife-Kopfes und dessen Analyse habe ich für meine Kunden hier veröffentlicht. Entgegen Behauptungen Vieler gibt es gar nicht sehr viele wirkliche Fälschungen. Das Meiste in Unkenntniss als solches deklarierte sind lediglich kunsthandwerkliche Repliken.

Um vorzubeugen, dass der Probeentnehmer Herrmann sich nach einer fingierten Anfrage nicht mit dem erläuterten Vorwurf konfrontiert sieht, wurde der Hahn für eine zweite Prüfung in das Labor nach Deutschland geschickt. Bei einer erneuten Prüfung wurde darauf geachtet, nun Proben an möglichst unzugänglichen Stellen zu entnehmen. Gleichzeitig wurde noch einmal erweitert dokumentiert um einer weiteren Falle vorzubeugen, die gewiefte Schadensersatzgewinnler und bösartige Konkurrenz im Auge haben. Wie in meinem Artikel Alterszuordnung von 2008 schon genau ausgeführt, setzen einige betrügerische Labors durch Erhitzung des Objekts dessen Alter auf Null um dann mittels einer sehr teuren Metallanalyse das Objekt auf "neu" zu deklarieren. Der so entstandene Widerspruch zur Thermolumineszenz-Analyse wird als Streit vor überforderte Gerichte gebracht, die dann tendenziell zu ungunsten des Handels "Verbraucherfreundlich" entscheiden. Nach diesem Ablauf ist das Objekt jedoch mit großem Verlust aus dem Handel und, was mindestens ebenso schwer wiegt, für die Forschung verloren. Peter Herrmann konnte bisher jedoch auch vor Gerichten jedesmal eine lückenlose Beweisführung angeben und hatte noch nie ein Rücknahmeproblem einer Terrakotta oder Bronze als Resultat eines Angriffs.

Da Anfragen nach beschriebenem Muster nicht von den im Hintergrund auftauchenden Personen gemacht werden, sondern von fachfremden "Strohmännern", entstehen kuriose Situation. So drohte der Interessent des Hahnes, nach Anzahlung, aber schon vor Erhalt des Objekts mit erweiterten Prüfungen, statt geduldig abzuwarten bis er das Kunstobjekt im Original in Augenschein genommen hat. Gegen weitere Analysen ist nichts einzuwenden. Doch auf Anfrage bei welchen Laboratorien, begann der "Kunde" sich eigentümlich zu winden. Ein weiterer Ablauf wurde sofort gebremst und, wie beschrieben, erneut geprüft.

Der Autor dieser Zeilen weiß wohl, dass sich mit differenzierten Ausführungen komplizierter Sachverhalte einige potenzielle Kunden vor den Kopf gestoßen fühlen. Doch diejenigen Kunden der Galerie, die sich die Mühe machen, diese Ausführungen zu verstehen, haben ein großes Vertrauen in die Fachkenntnis von Peter Herrmann. Bitte interpretieren Sie "Glasnost" in diesem Sinne als Werbung für Sachverstand.

Ein neugieriger Leser fragt sich nun natürlich, wie das geht, dass man im Hintergrund die immer gleichen Namen recherchieren kann. Diesem Leser verrate ich nun ein lange Jahre gut gehütetes Geheimnis.

Hilfreich ist ein so genanntes Java-Script, das in den html-Codes für Sie unsichtbar eingebettet ist. Es spionieren also nicht nur fremde ominöse Mächte um alles zu erfassen, sondern auch der Galerist möchte wissen, was sich so auf seinen Seiten tut. Im übertragenen Sinn: Wer seine Kataloge einsieht. Dieses Java-Script sagt dem Analytiker (Peter Herrmann programmiert seit 1995 seine Seiten selbst) nun genau, aus welcher Stadt der Seitenzugriff kommt, was für ein Browser oder welcher Server benutzt oder wie lange auf der Seite gelesen wurde. Das einzige, was dieses Java-Script nicht sagt, ist der Name der Person, die gerade in Berlin oder Aix-les-Baines vor dem Computer sitzt. Eine solche Recherche erfordert hohe Sachkenntnis und ergibt nach viel handwerklicher Arbeit eine Art empirische Reihe. Damit kann man mit praktisch 99%er Sicherheit sagen, wer die Person war. Es wird ja kaum der Sohn der vermuteten Person ausgerechnet auf die Seiten des Interesses des Vaters gehen, sollte er vor dessem Computer sitzen, weil zufällig in der Nacht vor dem Storno der eigene Computer kaputt ging.

Als der "Kunde" sein schwer nachvollziehbares Storno für ein wunderbares Kunstobjekt digital anmeldete, spuckte der Galerist in die Hände und ging in die Analyse. Wenn also ein noch unbekannter Server aus der Stadt des Käufers just am Abend vorher zeitgleich mit einem Server über den ein Herr Schlothauer in Berlin sonst ins Internet geht auf genau die diesselben Bronze- und Textseiten zugreift ist schon einiges als Vermutung klar. Wenn dann zeitgleich in Paderborn und Düsseldorf noch zwei Personen auf wiederum diesselben Seiten zugreifen, läßt sich auch dies mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit als eine Gruppensitzung bezeichnen. Beide waren im eigenen Verteiler schon markiert. Schade, dass man nicht mithören konnte, was am Telefon parallel dazu gesprochen wurde. Wenn dann aber noch die ehemalige Mitarbeiterin Frau Peraldi mit ihrem exotischen Server in Aix les Baines, die von Herrn Schlothauer aus der Galerie abgeworben wurde, wiederum zeitgleich auf diese Seite des Hahnes ging, ergo und eindeutig mit der Stornovorbereitung zu tun hatte, bleiben nur noch die Motivationen im Dunkel. Die sind nicht mehr mit medialer Technik erfassbar, aber mit menschlicher Erfahrung und Intuition.

Eine Zufallstheorie fällt weg, wenn man die Dichte der abgerufenen Seiten der Bronzen im Vergleich mit der der letzten Jahren sieht. Vereinzelt interessiert sich ein Sammler oder ein Museum und besucht auch mal viele Seiten. Doch niemals zeitgleich in dieser Dichte auf diesselben Seiten mit einem bestimmten Objekt im Zentrum. Vergleichbare Ballungen gabs immer nur vor einer unmittelbar folgenden Intrige.

Ein Server ist natürlich zunächst ein äußerst ungenauer Hinweis. Doch Herrn Schlothauer hatte ich schon seit 2012 im Verdacht, ein seltsam doppeltes Spiel gemeinsam mit einem Herrn Horstmann zu spielen. Nur, ich konnte es lange selbst nicht glauben. Zu absurd schien das alles. Er schlich sich dreimal die Woche als Freund in die Galerie. Seit 2014 als er begann in Togo aufzutauchen, weiß ich es allerdings genauer und schaute entsprechend aufmerksamer hin. Wenn also ein Server der nicht allzuviel aussagt, sich in bestimmten Momenten wiederholt und dann auch noch im entscheidenden Moment die ehemalige Mitarbeiterin absolut zeitgleich parallel auf die Seite des Hahnes greift, müssten mehrere Götter gleichzeitig einen Streich geplant haben um solch ein Gebilde über Jahre als falsche Fährte zu legen. Geben Sie acht auf den sauberen Herrn, dass Ihnen nicht eines Tages aus völlig unbekannten Gründen dasselbe geschieht.

Die zweite Untersuchung mit besonderem Augenmerk auf den Kurvenverlauf und der Möglichkeit des Einbringens von Gusskernresten mittels eines Bindemittels ergab übrigens noch einmal genau dasselbe Alter. Mittlerer Wert: 330 Jahre.

Wer diesen Hahn endgültig kauft, hat ein sehr gut durchleuchtetes Kunstwerk mit einer schönen Geschichte erstanden. Weil es mehr Objekte gibt als angenommen, sind auch, zum Entsetzen einiger Pariser und Londoner Händler, die Preise nicht mehr die, wie vor 20 Jahren. Ich hoffe, Sie lieber Leser, gehören zu Jenen, die meine Arbeit achten. - Und zu korrekten Preisen kaufen.

Peter Herrmann, 2016



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Vergleichsobjekte:   Abbildungen:
Leiden, Berlin, Hamburg
Felix von LUSCHAN: Die Altertümer von Benin, Band 1-3, Berlin 1919, S. 337-339. Tafel 76

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The Metropolitan Museum of Art

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