Zur Blog-Hauptseite
Zur Hauptseite von Avepozo Flat

von Peter Herrmann, ab dem 10. Januar 2019

nix
Peter ist ein toller Typ ... ,

Retrospektive

Kichererbsen-
buletten

Schicksalsschlag

40 Jahre

Dumm

Noch dümmer

... doch. Wirklich.

Ich finde mich toll. Gut. Nicht immer. Aber meistens. So im Gesamten gesehen geht es mir schon sehr prima und ich bin Jemand, mit dem das Leben es unterm Strich gut meinte. So in der Sprache der Fuhrleute und Ballermänner: Wenn mir ein Arschloch begegnet und nervt mich, stelle ich meist fest, dass dieses Arschloch sein ganzes Leben lang eines ist. Während ich nur in einem winzigen Auschnitt meines Lebens mit einem zu tun habe, muss der sich sein ganzes Leben selbst ertragen. Diese Erkenntnis gibt eine tiefe innere Zufriedenheit, die selbstgerecht mit Mitleid und Verzeihen umgeht.

Zurücklehnen. Sich toll finden. Einzigartig. Ja und dann will ich noch Radieschen fotografieren heute. Wo war ich stehen geblieben? Ach ja. Einzigartig. Das wird mir wohl kaum jemand absprechen können.

ausgebootet Streifenmädchen

Ein einzigartig gestreiftes Mädchen auf der Avenue Madiba in Avepozo

Kürzlich schrieb mir mal so ein zu kurz gekommener in einem elektronischen Brief, mein Zustand sei "Edeka". Fand ich auch toll. Genossenschaft. Lange Tradition. Kolonialwaren und so. Nur der Zusammenhang im Brief erschloss sich mir nicht. Bis ich zufällig ein paar Tage später die Erklärung fand: "Ende der Karriere". Ein Synonym.

Da kam ich dann doch kurz ins grübeln. Ich grüble übrigens gern. Ich sitze dabei in einem billigen Etablissement auf einem Plastikstuhl an der Avenue Madiba, habe ein Bier vor mir, Koliko, das sind Togo-Fritten aus Yam, voll bio, frisch geschnitten und gebruzzelt, auch vor mir. Eine dreijährige die mich heiraten will stört hin und wieder mein grübeln. Das ist gut, denn in den Grübelmodus finde ich schnell wieder hinein, das macht also nix. Ich grübelte also über Edeka und gehe zunächst selbst bei einem Hohlkopf oder eine Hohlköpfin davon aus, dass sie auch mal recht haben könnten. Das ist ein schönes Prinzip.

Viele Menschen denken dann: Oh, der Arme, ganz allein sitzt er da und denkt. Das tut doch dem Kopf nicht gut. Doch das sehen die falsch. Ich musste mir im Leben nun schon so dermaßen viel an gehobenem Schwachsinn anhören und habe selbst schon so viel Quatsch von mir gegeben, dass mir das, was ich so herbeigrüble, sehr intelligent vorkommt. Das gibt ein ausgeglichenes Selbstwertgefühl. Leichte Schwankungen in Euphorie und Melancholie sind dabei erwünscht. Blinder Aktionismus und Depression sind zwei natürliche äußere Grenzen, deren touchieren es im gedanklichen dahingleiten unbedingt zu vermeiden gilt.

Also dachte ich ein wenig über meine verlorene Karriere nach. Ich fand sie gar nicht mehr, meine Karriere. Sie muss schon vor sehr langer Zeit verloren gegangen sein. Es muss schon irgendwann im pubertären Zeitraum gewesen sein. Karriere als solches war mir eigentlich immer sowas von scheissegal, das kann sich kaum jemand vorstellen.

  Verbotener Müllhaufen

Verbotener Müllhaufen

 

Natürlich, als beim ersten Treffen der Herr Bundespräsident Dr. Köhler nach meinem Händedruck und meinem fröhlichen "Grüß Gott" zu mir sagte: "Sie senn doch au aus dr Gegend von Ludwigsburg, gell?", da fühlte ich schon so etwas, was andere als Karriere bezeichnen würden. Ich jedoch empfand das unmittelbar nach dem Erstgefühl eher anekdotisch. Ganz naiv. Aber Toll. Schon ein Highlight im Leben. Auch wenn man dann zum Sommerfest im Schloss eingeladen war, stellte sich in den weissen Zelten nichts wie Karrierebewusstsein ein. Bei all den Lobbyisten die ihr Auftreten nur schwerlich als Werbung verbergen konnten, wollte das Gefühl der Gemeinsamkeit partout nicht erscheinen. Doch gerne trank ich ihren Wein. Einfach nur, weil ich gerade zufällig da war, musste ich ja jemand von Bedeutung sein. Die wussten nicht, dass ich nicht aus sportlichen Gründen mit dem Fahrrad kam, sondern weil ich, als jemand aus der Nähe von Ludwigsburg, halt sparte. Gell.

Ist jetzt also, weil ich gerade nicht mehr am Sommerfest im Schloss in Berlin einen etwas klebrigen Wein trinke, sondern an der Rumpelpiste Avenue Madiba in Avepozo sitze, der nur ich alleine den Namen Avenue verpasste, meine Karriere aus? Jetzt, wo ich mir gerade den Dieseldaimler vom Wurstmacher Rainer unter den Nagel gerissen habe? Eigentlich sollte die Übernahme der Schrottgurke eine versöhnliche Geste werden, doch manchmal kann man machen was man will und es kommt anders. Also doch um ein paar Knechte zu ärgern? Die meisten würden das wohl schon so sehen. Ich aber nicht. Ich finde mich weiterhin toll. Schon in meinen Zwanzigern dachte ich zwischendrin mal, wenn man im Moonlight Guest Inn in Sabongari, dem berüchtigsten Viertel in Kano, mit acht Mädels auf einer Etage wohnt ist es aus mit Karriere. Ähnliche Gedanken kamen mir in Yaounde, ganz tief und eng mittendrin, wo der Eimer Wasser zwei Cent kostete, man in ein Loch im Boden schiss und die Freundin losging, um bei ihrer Familie ein Brot zu schnorren.

Doch dann wurde der Kommunikationsminister zum Freund und mit dem Vorsitzenden der afrikanischen Rechtsanwaltstunion sprach man über Pläne von Staatsstreich und englischsprachige Unabhängigkeit und unterstützte als Freund den Wahlkampf vom Sohn des Vizepräsidenten. Bis der Oberchef der Luftwaffe beim trauten Mittagessen meinte: "Auf uns könnt ihr euch nicht verlassen, wir haben eh nie Sprit. Hohoho ho" und man merkte, aua, sind die aber seltsam strukturiert. Ach nee, dann lieber doch nicht. Dachten die ich sei der Herr Guevara nur weil ich ihm ähnlich seh. Nee, kein Coup d'Etat, keine Umsonstferngespräche mehr. Nö. Bleiben wir lieber sauber. Was brauch ich Vierrad, ich fahr Public Transport und latsche dann durch die Kapsiki-Berge um bis ins Jankari-Game-Reserve mit Ziegen und 25 Personen auf einem Pick-Up weiter zu gondeln. Welt verbessern ist ein prima Angelegenheit, doch wenn man dabei als Kanonenfutter verheizt wird, hat man selbst ja nichts mehr davon. Ich weis um die Existenz real vorhandener Frauen mit Erfahrung und brauch kein Glaube, der auf die leere Versprechung von 72 Jungfrauen über Selbstentsorgung beruht. Da fahren wir doch lieber Kajak auf dem Sanaga im Regenwald und sagen Krokodilen guten Tag. Das ist harmloser und berechenbarer.

Jetzt, ziemlich genau vor 30 Jahren war das mit den Anglophonen in Kamerun. Und heute eskaliert es. Und auch bald 40 Jahre ist es her, da war ich in Ghana, als Jerry Rawlings das erste Mal putschte. Klasse. Auch beim zweiten Mal war ich dort. Noch besser. Weniger schön war 83. Da wurden zweieinhalb Millionen Ausländer bis auf die Unterhose geplündert und wie Vieh aus Nigeria hinausgekarrt. Der halbe Freundeskreis war weg und der Rest ging pleite. Wenn heute Nigerianer in Deutschland das Maul aufmachen wegen Rassismus und Diskriminierung mit dem größten denkbaren afrikanischen Maulwerk, dann erinnere ich sie gern mal, wie sie beim Hinausschmeissen auch noch hinterher prügelten. Jeder putze vor seiner eigenen Türe.

Man wird selten zum Berater, weil man die Facetten des Lebens kennt, doch manchmal holen Menschen aus den Apparaten halt auch mal den früheren Trapper. Solange er bei Tisch nicht schmatzt. Das allerdings hatte ich in ein paar Jahren der Galerietätigkeit schnell unter Beweis gestellt, dass ich aus gutem Hause kam, wo man mit Messer und Gabel virtuos umzugehen lernte. Da gings vom Cannstatter Hinterhaus kontinuierlich in Richtung Stadtmitte, die Projekte wurden immer größer, man landete im erlauchten kleinen Kreis der führenden Galerien, der Daimler kam und das Kulturamt. Immer noch hatte ich gar keine Karriere im Sinn. Dass es so kam wie es kam, kam quasi von alleine. Ich wollte eigentlich nur Afrika und sein Kunst zeigen, doch tat ich dies, als Künstler von Haus aus, offensichtlich anders als die anderen. Wobei mir dieses anders als anders sehr lange so gar nicht klar war.

Weil der Watchman, den andere nur als Angestellten kennen, mein Nachbar war. Weil man als Freund nicht nur den Staatssekretär für Wirtschaft hat, der dann auch irgendwann kein Freund mehr ist, weil Macht korrupt macht, sondern auch ein Gärtner, der einem viel mehr beibringen kann. Oder weil man als Feind einen millionenschweren Waffendealer hat, der einen wegschnippen will und über den man genauso sorgfältig nachdenken muss wie über eine Frau Doktor der Ethnologie oder einen einfältigen schweizer Handwerksknecht, dessen Unberechenbarkeit genauso gefährlich ist, wie die Berechenbarkeit der Frau Doktor mit der sie einem an den Karren fahren möchte. Knechtische oder akademische Beschränktheit im Geiste, die nicht zulässt zu begreifen, dass beide, sie um eine, er um drei Ecken gelenkt, man nennt es neudeutsch "instrumentalisiert", aber beide umsonst für einen Waffenschieber fürs südafrikanische Apartheidsystem im Ruhestand agieren. Ein interessantes Puzzle.

Ich wurde von Monarchisten zum „Ehrenmann“ in kleiner Zeremonie ernannt. Ich war, als ewig parteiloser konservativer Syndikalist Berater von politischen Institutionen. Zu meinen besten Freunden zählte ein Wert- und Strukturkonservativer „Old-Colonial-Bastard“ aus bester englischer Familie in siebter Generation Afrika. Einer meiner wichtigsten Mentoren noch vor Afrika war Fritz Lamm, ein Kommunist im Widerstand und im europäischen Untergrund von 1933 bis 1945, oder Klaus Paysan, ein Begründer der Baden-Württembergischen FDP, ein Bilderbuchliberaler der für mein Afrika-Verständnis von großer Bedeutung war. Einer der größten Bewunderer meiner Arbeit war ein Stuttgarter Pfarrer obwohl ich ohne religiösen Glauben bin und unter meinen Korrespondenzpartnern und Wegbegleitern befinden und befanden sich sehr gebildete Menschen allerlei Couleur, die meinen freien Geist schätzen und ich ihre Haltungen. Und last not least bin ich als Abenteurer gestrandet in Togo immer noch Mitglied und Berater für kulturelle Angelegenheiten der Deutschen Afrika-Stiftung des Deutschen Parlaments. Freundin und Kooperationspartnerin unzähliger Initiativen seit Jahrzehnten ist Frau Dr. Uschi Eid der Grünen, mit denen ich nichts mehr am Hut habe, seit die alle anders wurden.

Eine Frau die über alle Parteigrenzen hinweg als die kompetenteste Afrikakennerin in der Politik gilt, die wiederum in Dutzenden afrikanischen Regierungen bei Ministern und Präsidenten hoch angesehen ist. Was will will mir denn eine Quotentussi erzählen, wie sie gerade am Fließband ins öffentliche Leben geschwemmt werden? Es freut, Frau Eid zu kennen und dass sie Vertrauen in mich hat, obwohl ich gerade an der Avenue Madiba sitze und die klapprigste Enduro im ganzen Viertel fahre, bei der ständig die Kette runterspringt. Ihr als Ernährungswissenschaftlerin widme ich das folgende Bouquet:

  Peter Herrmann mit Radieschen

Radieschen in der Morgensonne als Selfie.
Ein echter Luxus in Togo. So ein Bund kostet 80 Cent, was für hiesige Verhältnisse happig viel ist. Doch seit hier früher mal die Bayern waren, gibts auch Radi.

top

Diese Seite gilt also mir. Alter Ego. Ohne Beweihräucherung, aber ich will einfach mal ein paar Leuten mitteilen, dass ich Respekt fordere. Klar, Alter? Einfach nur, weil ich es bis hierher geschafft habe. 10 Jahre Sponti ! 10 Jahre Afrika ! 25 Jahre Galerie für Kunst aus Afrika ! Nochmal 5 Jahre Afrika ! Nachmachen !

Oder besser vielleicht nicht.

nix
Retrospektive
 

Bald sind es also vierzig Jahre die ich mit Afrika zu tun habe. Das, wenn mir jemand vor 40 Jahren erzählt hätte … Schuss in der Waffel. Nicht mehr alle Latten im Zaun.

Aktivist. Hans Dampf in allen Gassen. Nichts anbrennen lassen. Die wilden 70er. Sexuelle Befreiung, die Pille, weg mit dem Mief unter den Talaren von vor tausend Jahren. Sitzen bleiben, vom Gymnasium geworfen, es hat nur mittlere Reife gereicht und dies auch nur, weil ich als Schülersprecher immun war, sonst wär ich noch schneller geflogen. Mit 14 aktiv für Jugendhaus und in den ersten Diskussionen mit dem Gemeinderat das Reden gelernt. Die Mädels flogen auf mich und ich arroganter Arsch dachte, dies sei das normalste der Welt. Dann, das war damals ganz schick, Schreiner gelernt. Was ordentliches bevor es ins unordentliche Leben ging. Jahrgangsbester und schon während der Lehre die erste eigene Firma. Bei verschiedenen Parteien vorbeigeschaut, doch war da nichts für mich dabei. Eine Zeitlang im sozialistischen Büro gestrandet. Freizeitpädagoge bei der Arbeiterwohlfahrt und voll aktiv in der Gewerkschaft. Jugendvorsitzender Südwest von Holz- und Kunststoff. Dem Rausschmiss zuvorgekommen und mit "Fachwerk" ein so genanntes Alternativprojekt gegründet, das in kurzer Zeit vier Werkstätten hatte und was andere abwertend meinten, empfand ich als Kompliment: Führer der Chaoten. So schimpften mich die Sozialisten und Kommunisten, weil ich ein Anarcho und ein Sponti war. Dann Restaurator und flugs als selbsternannter Innenarchitekt die ersten Komplimente und fetten Aufträge. Alles Geld und Arbeit verpulvert für die Verbesserung der Welt. Drunter ging nichts.

Irgendwann kam der Tag, da merkte ich, das Sozial und Sozialismus zwei paar Stiefel sind. Immer öfter kam der Gedanke, dass sich dies sogar widerspricht. Ob in den Wirtschaftslehren, die ich rauf und runter las oder in den zwischenmenschlichen Beziehungen, es wollte nicht mehr passen. Dann der Eklat. Vollversammlung der Gleichen unter denen ich einer der Gleichsten war. Mir wurde Profilierungssucht im Alternativprojekt vorgeworfen, weil Presse und Radio immer nur mich fragten. „Ja dann lest halt mal die Satzung“. die auch von mir war. „Wenn ihr solche Dinge kennt, werdet ihr auch gefragt“. „Das sind bürgerliche Argumentationen.“ So in diesem Stil gings tagein tagaus. Dann kam der Vorwurf vom Größenwahnsinn, weil ich mit einer Architektengruppe alle Werkstätten unter ein Dach bringen wollte und dabei halt zwei Millionen ins Spiel kamen. Nun war ich der Kapitalist. Bis ich die Schnauze sowas von gestrichen voll hatte und nun was von der Welt sehen wollte.

Wie sich im Rückblick herausstellen sollte, wurde der Haufen von den "Anti-Impis" infiltriert. Diese Anti-Imperialisten lösten sich später in der "Antifa" auf. Man konnte ja schlecht gegen Imperialismus sein, da der stalinistische Anspruch ja der einer "Sozialistischen Internationalen" war. "Anti-Faschist" ist da schon interessanter. Faschisten sind ja National-Sozialisten. Die Logik dieser Antifa ist bis heute: Wer nicht ist wie sie, ist Nazi. Die Denunziation beginnt zuerst mit "Bürgerlich" und wenn der Bürger sich wehrt ist er Nazi. An vielen der damaligen "Alternativprojekte", die hauptsächlich neue, moderne Arbeitsmodelle schaffen wollte, also die Vorläufer der heutigen Live-Work-Balance-Philosophie war, offenbarte sich die Schwachstelle der Demokratie. Das Mehrheitsprinzip. Die Antifa infiltrierte, nahm Einfluss und holte dann Fußvolk nach. In heimlichen externen Sitzungen machten sie einstimmige Beschlüsse. Durch diese Bindung gewannen sie in den Projekten die Mehrheit und zerstörten sie von innen. Lästige denunzierten sie als Spitzel und erwirkten Ausschlussverfahren. Und so weiter und so fort. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann agieren sie noch heute.

Wieder zum Ego. Viel mehr als Nil, Krokodile und Giraffen hatte ich von Afrika vorher nicht mitbekommen. Aus Asien kamen alle immer mit verklärtem Blick zurück und waren beseelt von der Lehre oder der Leere eines Guru und sangen Bob Dylan am Lagerfeuer. Nö. Dann lieber Giraffen und das Unbekannte. Ich kannte niemand, der in Afrika war. Da wollte ich hin. Mit dreimal gar nichts in der Tasche trampte ich nach Marokko. So schön es dort war, es war die Vollkatastrophe. Schon wieder lauter Freaks. Ab nach Algerien. Und nun begann etwas, das mich nie wieder loslies. Ich lernte Menschen kennen, von deren Existenz ich nicht den Hauch einer Ahnung hatte. Algerier, die Hitler toll fanden. Ich dachte ich flipp aus. Franzosen, die die Algerier nicht leiden konnten. Ich dachte ich flipp aus. Wüste, die nicht mehr aufzuhören schien und eine Art von Gastfreundschaft, die mir in dieser fast schon aufdringlichen Art völlig neu war. Es trieb mich nach Süden, obwohl bei genauer Betrachtung des Geldbeutels, dies ein vollkommenes Ding der Unmöglichkeit war. Doch was besseres als den Tod gabs allemal zu finden. Nach ein paar Monaten kam ich in Agadez an. Schmutzig von oben bis unten mit einem gewickelten Stoff auf dem Kopf und alle hielten den schwarzhaarigen der seine ewig lange Matte unterm Stoff schonte, für einen Einheimischen. Erste Worte Arabisch, erste Worte Haussa und ganz langsam Französisch. Afrika war bisher nur französisch.

  Calixta magnificat

In einer kleinen Seitenstraße in Avepozo

top

Ein französischer Berufschullehrer mit seinem vierjährigen Sohn, der hinter seiner heroinsüchtigen Frau herreiste, die mit einem Junkie-Liebhaber auf und davon war, fischte mich an der algerischen Grenze zum Niger auf, wo er mir aus einer Verhaftung half. Als ich in Agadez ankam, erzählten mir ein paar Deutsche die gerade wieder Richtung Norden reisten, dass es ein Land mit Namen Togo gäbe. Dort redeten zwar weiterhin alle französisch, aber dort sei eine deutsche Metzgerei.

Eine deutsche Metzgerei. Das klang nach vier Monaten on the road wie eine Fata Morgana. Damals war ich noch kein Vegetarier. Eine deutsche Metzgerei. Ich hatte kein Plan und kein Ziel. Nun hatte ich einen Plan und ein Ziel. Lomé in Togo. 2.500 Kilometer bis zur nächsten Kühltheke.

Wie es der Zufall wollte, war die Junkie-Braut auch dahin unterwegs, der Herr Lehrer erfreute sich meiner kurzweiligen Anwesenheit und willig lernte ich nun französisch.

nix
Kichererbsenbuletten umschmeichelt von Calamar 24.1.2019
 

Bevor die Erzählungen weitergehen gibt es Mittagessen.

  Kichererbsenbuletten

Bescheidene Küche

top

Togo kennt an Hülsenfrüchten die große weiße Saubohne, die dicke rote und die Sojabohne. Linsen, grüne Bohnen oder die Kichererbse kommen kaum in der togoischen Küche vor. Doch die Libanesen haben all dies in ihren Läden.

Man nehme also eine kleine Schüssel Kichererbsen, lege sie einen Tag in Wasser ein, koche sie für 10 Minuten und püriert sie. Dann reibt man eine Karotte rein, zwei zerdrückte Zehen Knoblauch, sehr klein gehackte Zwiebeln, Pepperoni, Petersilie, Salz, Mehl und ein Ei und matscht nun bis man das Gefühl hat, das wäre die richtige Konsistenz um die handgeformte Bulette im Öl knuspern zu lassen.

Der Fischer hatte geklingelt und gefragt, ob ich mal wieder Calamar brauche. Von dem kommen kleine Stückchen ebenfalls in die Pfanne, nachdem man die Buletten einmal gedreht hat. Wenn die Stückchen sympathisch angebruzzelt aussehen, kommt noch klein gehackter Knoblauch und Pepperoni drüber. Ein bißchen Salz darf auch noch drauf. Dat Janze ein wenig bunt garniert und oberlecker. Dass Rettich zu Calamar passt, ist auch neu.

Haben sie schon mal die korsische Snack-Variante der Kichererbse probiert? Hab ich auch erst in Togo von einem Franzosen kennengelernt. Eingeweicht und kurz abgekocht, dann in der Pfanne herumgejagt, kleingehackte Zwiebeln, Knoblauch und Pepperoni, ein wenig Salz und Pfeffer. Obergeil. Sitzen Sie mal am Computer am arbeiten und daneben steht ein Schälchen auf korsisch. Mega.

Weniger Mega sind die togoischen Essgewohnheiten, die zunehmend und sehr einseitig auf Kohlehydrate und Öl basieren. Sobald man ein wenig Geld verdient, wird irre Fleisch reingehauen. Die urbane Entwicklung bringt Anämie, Diabetes und viel dicke Frauen mit sich. Anämie könnte man in vielen Fällen durch Linsen, Kichererbsen und Petersilie vermeiden oder wieder wegbekommen. Diabetes verschwindet durch Tomaten, Gurken und Rettich. So ungefähr jedenfalls. Dicke Frauen ... nee das lass ich jetzt mal weg.

nix
Schicksalsschlag 25.1.2019
 

Nun also hatte ich einen Plan und ein Ziel. Lomé in Togo. Das muss 1979 gewesen sein. Konnte ich damals ahnen, dass ich heute das Los weltberühmter Literaten teile und kein Geld mit schreiben verdiene? Einer der Kommasetzung nach Rhythmus betreibt wie der Vater das Saxophonspiel?

Nein. Das ahnte ich nicht. Ich konnte mir bei meinem seltsamen Lebenswandel damals nicht mal vorstellen, älter als Dreißig zu werden. Ich hatte einen Plan, ein Ziel und eine einzige Hose. Eine Metzgerei. Wir reisten. Mit einem 404 Familiale und hatten Pannen und Nicola war vier Jahre alt und ich wunderte mich, dass bei Pannenbehebungen oder mehrtägien Reisestops der Kleine morgens loszog und abend von einer wildfremden dunklen Mama schlafend auf den Armen gebracht wurde. Mein Hang zu banalen Bildern die in Erinnerung bleiben hatte ich damals und habe ich heute. Falls mich jemand fragt, wie man auf so etwas abgefahrenes wie Afrika stehen kann, so sage ich: Es sind die Bilder. Man denkt an nichts besonderes und wie aus dem Nichts kommt eine bebilderte Überraschung. Man kann sich irgendwo hinsetzen wo nichts zu sein scheint und es kommt etwas, mit dem man hundert pro Cent nicht gerechnet hat.

Mein Hose war eine amerikanische Armeehose, von der ich nicht wusste und lange nicht begriff, dass man als Nichtsoldat besser keine Klamotten von denen anzieht. Mein subtiler pazifistischer Humor der damals jugendlich schick war, wurde von Grenzbeamten nicht immer geteilt. Doch ein Schwabe denkt halt praktisch. Mein Schlafsack war ein Armeeschlafsack der bis auf 30 Grad minus ausgelegt war und mir im Winter beim losreisen im Schnee tolle Dienste geleistet hatte. Als wir jedoch in Lomé nachts ankamen, mussten wir in eine Werkstatt direkt an der Lagune und mangels Geld, wie auf der ganzen Reise, beim Auto schlafen. Ich zog etwa eine Million Moskitos an und verbrachte die zweitunangenehmste Nacht meines Lebens. Auf dem Dach eines 404-Kombi im tropischen Lomé im hermetisch geschlossenen Schlafsack, tauglich für 30 Grad Minus. Der kleinste Versuch eine Luft hereinzulassen, brachte in drei Sekunden 48 Moskitos.

Doch am nächsten Tag sollte sich mein Wunsch erfüllen. Ich würde die Metzgerei suchen. Die deutsche Metzgerei. Die bayerische Metzgerei. Und es wurde der nächste Tag und ich suchte und ich fand: Einen Schicksalschlag.

Zwei Wochen geschlossen wegen Renovierung.

  maison de justice

Neues Hinweisschild auf der Avenue Madiba in Avepozo. 2019

home

Ich hatte einen Plan und ein Ziel und ich hatte Zeit und einen Willen.

Wir fanden ein kleines gemähtes Wieslein im Garten des Foyer des Marines und hatten somit einen Schlafplatz. Von dem Wenigen das ich hatte wurde mir noch ein wenig geklaut und zwei Wochen vergingen. Pünktlich zur Öffnungszeit stand ich wieder vor und dann in der Metzgerei.

Zu diesem Zeitpunkt war ich mit meiner einen Hose schon sechs Monate unterwegs und schlief fast immer in der Natur. Ich war so weit von jeglicher Zivilisation entfernt wie der Schlafsack warm war. Und nun stand ich in einer picco bello nagelneu renovierten Metzgerei wie sie schöner und moderner in Deutschland nicht sein konnte. Der geneigte Leser muss sich nun vorstellen, dass ein Einhosiger, der Afrika nach Marokko, Algerien, Niger und Burkina Faso alles nur französisch kennt und der Sprache nicht wirklich mächtig ist, nun vollkommen überwältigt mitten in den Tropen in einem Paradies stand.

Nur. Da war ein indigener Herr hinterm Tresen, von dem der Einhosige nur wusste, dass der wie alle in Afrika nur französisch redet. Von Natur aus mutig und willig, begann ich zu gestikulieren und meinen gesamten frankophonen Wortschatz auszugraben. Doch der Mann lächelte. Ich deutete, ich zeigte, ich suchte nach neuen Worten. Der grinste nur. Ich dachte mir irgendwann: Was grinst der? Himmelarsch. Schinkenwurscht. Der grinste immer noch und es schien ihm zu gefallen wie ich mich anstrengte.

"Am Stück oder geschnitten?"

Mich nahm es einen Schritt zurück. Als der mein superdämlich überraschtes Gesicht sah, musste er laut lachen. Der erste Afrikaner meines Lebens, der deutsch redete.

"Ääh, geschnitten."


nix
Vierzig Jahre 26.1.2019
 

Seit fast vierzig Jahren kenne ich also geografisch große Teile Nordafrikas, ganz besonders gut Westafrika und ein wenig Zentral- und südliches Afrika. Was ich sehr gut kenne sind die Menschen des ganzen Kontinents, weil ich mich auch immer für der Unterschied der Mentalitäten interessiert habe. Auch von Gegenden, wo ich noch nicht war. Im Gegensatz zu 95 oder mehr % der Afrikaner, die dauernd von "wir" Afrikaner faseln. Ich frage mich ständig, wie "die" Afrikaner egal was auf die Reihe bekommen wollen, wenn sie schon bei der ersten Ausgangsthese für scheissegal welche Entwicklung falsch liegen.

Dass die Mischel-Arabs der algerischen Küste etwas total anderes sind als die wesentlich offeneren Berber oder dass die flache Hirarchie der Ibos in Nigeria eine vollkommen andere Mentalität ergibt, als bei einem vom zentralisitischen Königtum geprägten Yoruba oder dem seit Jahrhunderten islamisierten Haussa oder Fulbe, die sich wiederum in seßhafte Tradition oder Nomadentum aufteilen, müsste eigentlich klar sein. Wird aber gern ignoriert. Jeder leicht musikalische Schreihals, jeder Pfaffe, die meisten Politiker, alle die ein Sprachrohr haben, blöken von "Afrika". Jeder Dunkle, jede Dunkle, egal ob aus Brasilien oder ein Gangster-Rapper aus Kalifornien, alle beschwören eine ganzen Kontinent als großen gedanklichen Einheits-Matsch Afrika-Afrika.

Kommen wir wieder zu Togo, das mit dynamischen Grenzen die letzten 500 Jahre so an der Schnittstelle zu drei großen Sklavenjägertraditionen lebte und auf der vierten Seite eine Küste hat, deren Brandung alles umwirft. Nix groß auf die Reihe bekommen, nur immer unangenehme Besuche, die die hübschen Frauen und die großen Kerls sehr Kostengünstig abgeholt haben. Primitive Kunst, eine ziemlich versoffene alte Religion, früher keine Architektur, heute keine Architektur. Neuerdings wird der Gott der Europäer angebrüllt, weil man Lautsprecher so gut bedienen kann wie Mopeds. Das ist im großen und Ganzen der Entwicklungsstand.

Bevor nun ein Schneeflöckchen, die allerdings eh nie auf meiner Seite landen, wieder Schnappatmung bekommt und ich für ihre Gesundheit verantwortlich gemacht werde, weil ich keine "Trigger-Warning" ausgegeben habe, schnell noch ein Hinweis: Ja. Es gibt Ausnahmen im Pauschalisieren. Es gibt intelligente Togoer und Togoerinnen und es gibt auch gebildete. Das ändert aber nix an den letzten 500 Jahren. OK?

Die meisten sind strunzdumm und trotz Schulsystem ziemlich wenig gebildet. Sie sind frech, impertinent, suchen ständig Streit, sind intolerante Rassisten, egoistisch bis zum Anschlag, stehen wechselweise auf dicke fette Frauen oder hässliche Kerls mit Geld, sind rücksichtslos, in der Rangliste der Unglücklichen dieser Welt ganz weit hinten, wie bei IQ auch, und sie machen gerne ihr eigenes Geschäft kaputt, weil bei allem was sie anfangen, sie von Beginn an alles falsch machen und auf keinen Ratschlag hören den man ihnen gibt, weil sie alles besser wissen.

Und nun die Atmung wieder versuchen zu normalisieren. Ganz langsam. Einatmen, Ausatmen. Einatmen, Ausatmen.

Jede Betrachtung eines Gegenstands beginnt mit einem Ganzen. Dieses Ganze beginnt sich eventuell zu teilen. Meist wie bei einer Zellteilung in zwei. Schaut man also Togo von aussen an und überlegt, was macht man denn nun mit dem Ganzen, beginnt das Entweder-Oder. Lässt man sie wie sie sind, Menschenrechte gelten für alle, egal wie wer drauf ist, mischt sich nicht ein und geht auch nicht hin, oder macht man was, damit sie besser leben als die von ihnen selbst empfundene Misere?

Das ist eine schwierige Entscheidung. Diese erste Entscheidung bevor sich das Thema weiter verästelt, umgehen viele, in dem sie sagen, wir müssen "ihnen" doch helfen. Hygiene, Gesundheit, Juristerei, Straßen, Autos. Eigentlich bei Allem. Doch, so sagen die Helfer, obwohl die Indigenen alleine nichts auf die Reihen bekommen, müssen wir auf Augenhöhe kommunizieren. Also mit Menschen, die dauernd Streit suchen oder die nächstbeste Möglichkeit nutzen, einen zu bescheissen. Als Nichtrassist mit dem Rassist auf Augenhöhe? Als Gebildeter mit Ungebildeten auf Augenhöhe? Als Selbstbewusster mit Minderwertigkeitskomplex auf Augenhöhe? Nur der indigene Polizist kommuniziert nicht auf Augenhöhe, sondern von oben herab.

Diesen Spagat nennt man "Deutsche Afrikapolitik". Im Sozialismus sind alle Menschen gleich. In der Sozialdemokratie mittlerweile auch und die Christen als Partei sind noch Gleicher. Der musulmanische Fundamentalist ist gleich. Der christliche Dogmatiker ist gleich. Der IQ von 65 ist noch total gleicher. Nett und höflich gemeint. Und dabei immer milde lächeln.

Warum nur kommt mir dieses Lächeln so verlogen vor?

Vor vierzig Jahren bin ich mit der rechten Hand hinein in die Soße und stopfte mir den Klos ins Maul. Da fand ich auch noch eine einzige Hose nicht unhygienisch oder modisch anstößig. Ich wollte Armer unter Armen sein. Gleicher unter Gleichen. Bis mir nach Jahren das rote Palmöl irgendwann wiederholt aufs Hemd tropfte und es beim waschen nicht mehr rausging. Bis ich begriff, dass ich meine Fingernägel nicht bis zum Ansatz schneiden möchte, weil man dann nicht mehr richtig greifen kann. Wenn ich das aber nicht tue, der Dreck unter meinem Fingernagel in mein eigenes Maul wandert. Ich wollte meinen Kopf irgendwann nicht mehr direkt über den Fressnapf führen, wollte nicht schlurfen und wollte nicht schmatzen und ich wollte mich über Philosophie unterhalten.

Über Politik, die aus mehr besteht als aus der Beschuldigung, dass der Präsident an allem schuld sei und keine Arbeit gibt. Über Ernährung, die aus mehr besteht als vier Soßen. Über Körperfunktionen, die mehr beinhalten als pissen und scheissen. Über Ökonomie, die über Kaufen und Verkaufen hinausgeht. Über Ökologie und darüber, dass man nicht einfach alles aus dem Maul oder aus der Hand oder aus dem Geschlechtsorgan fallen lässt, wo man gerade steht und sitzt. Über Handwerk, das aus mehr besteht als absägen und zusammennageln. Und auch, wohin es gehen soll mit dieser Welt und den vielen afrikanischen Kinderlein, die mit ihren treuherzigen Augen fast alle zu christlichen oder musulmanischen Fundamentalisten erzogen und geprügelt werden.

Vierzig Jahre hinterlassen Spuren und Entwicklungen. Man erkennt, dass der afrikanische Mann mit Bildung diese und seine Krawatte dazu benutzt, von naiven europäischen Geldgebern die größtmögliche Menge Geld zu schnorren, die er dann in Pariser Immobilien investiert. Die gebildete Afrikanerin langsam zur Sklavenhalterin mutiert. Man lernt sie kennen, die Afrikaner, die enthusiastisch aus Europa kommen und ihrem Land helfen wollen und nach fünf Jahren mit der deutschen Frau wieder nach Deutschland gehen. Man lernt die afrikanische Familie kennen, die noch fast alle deutschen Kleinunternehmer irgendwann in die Knie gezwungen hat und aus Egoismus eine enorme zerstörerische Kraft entwickelt. Man lernt damit zu leben, dass es Leute gibt, die einen als Rassisten bezeichnen, weil man diese Erfahrungen preisgibt und man hat afrikanische Freunde, mit denen man sich offen über solche Dinge unterhalten kann. Meist lachen wir drüber.

Einatmen, Ausatmen. Einatmen, Ausatmen.

  Peters Daimler unterm Baum
home

Hier sitz ich nachmittags vor meinem Mac aus den USA, den Stühlen aus China, mit Blick auf meinen Daimler aus heimischer Produktion, einem Bier aus dem Elsass auf einem genagelten Tisch und einem Maisklos aus Togo


nix
Dumm 26.1.2019
 

Dumm, dumm-dumm, brunzdumm. strunzdumm, strohdumm. Dummdideldumm, ein Wort geht um.

Ein eigentlich schönes Wort für einen bedenklichen Zustand. Weil ich es weiter oben in einem etwas beleidigenden, wenn auch wahrheitsbezogenen Zusammenhang gebrauchte, geistert es mir weiter durch den Kopf und fordert ein genauere Betrachtung.

Auch hier: Zuerst das Ganze. Dumm. Dann teilt es sich. Das ungebildete Dumm und das vererbte Dumm. Eine Steigerung, wenn beide Komponenten zu umfassend Dumm zusammenkommen. Also ungebildet und vererbt Dumm. Ob man da nun aus einem togoischen Wald oder einem schweizer Tal kommt ist ergo von Rasse, Stamm und Ethnie unabhängig. Wobei Togo mehr Wald als Schweiz Tal hat. Es bezeichnet einen Zustand, der mit überlieferten kleinen Maßnahmen das Überleben zwar sichert, die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls oder einer Infektion aber gegenüber Jemandem Gebildetem exponenziell zunimmt.

Man kann eine Dummheit begehen, aber das schaffen auch ansonsten intelligente Menschen. Auch ich kann diesbezüglich aus einem großen Fundus schöpfen. Ganz schlimm, wenn man wie die deutsche Linke glaubt, nur weil man links ist, wäre man automatisch intelligent, weil das eine das andere zwingend bedingt. Das ist dann superdumm, obwohl man vorher vielleicht eine Bildung durchlaufen hat. Den Beweis hierfür kann man in den Leserkommentaren der TAZ nachlesen. Wenn man das Wort dumm benutzt, kann man auch wegen Verletzung von Netikette als Kommentator bei Der Freitag rausfliegen. Ganz hochkant fliegt man raus, wenn man links und dumm zusammenbringt. Selbst wenn man inhaltlich nur andeuted, dass man etwas dumm finden könnte, es aber aus Höflichkeit noch nicht sagt führt das dazu, dass man zuerst von Linken unflätigst beschumpfen wird, dies dann seltsamerweise nicht zensiert wird und man danach bei TAZens einschicken kann was man will, der Leserbrief wird nun nicht mehr gepostet. Eine dumme Situation.

In der Berliner Torstraße, kurzfristiger Sitz der Galerie, zogen hin und wieder Demonstrationen vorbei und mein Bürofenster war ein Logenplatz. Einmal eierten da ein paar hundert dunkle Gestalten vorüber, die sich schwarzer Block nannten, aber unterm Textil sehr käsig rüberkamen. Ich weis gar nicht aus welchem Überbleibsel im Hirn das kam, dass ich bis zu diesem Tag irgendwelche diffusen Sympathien mit denen hatte. Als der Zug vorbei war, war auch definitiv jeglicher Rest von Zuneigung aus pubertären Vergangenheiten gelöscht. Diese Gestalten und Figuren sahen so final dumm aus, dass es schon fast schmerzte. Wie ich später erfuhr, waren darunter die neuen Faschisten der Anitfaschisten.

Riegeldumm kommt mir auch vieles vor, was aus Geisteswissenschaften und Genderprofessuren so bis nach Togo weht. Abitur und Studium ist ja nicht mehr eine Stufe von Trennung von dumm und gebildet, sondern jede Dummköpf_in kann heute studieren. Das ist dann eine moderne Variante von Dumm, die sich einschleicht, obwohl die Protagonist_innen doch ihre ganze Jugend am Schreibtisch im Kinderzimmer verbrachten und Wissen speicherten. Das aber leider zu nichts gut ist. Dumm gelaufen. Togoer haben also keine Alleinstellungsmerkmal oder einen besonderen Anspruch, dass nur sie ein wenig dumm wären. Von der Küste nordwärts, so sagt man, waren viele Rückzugsgebiete kleiner versprenkelter Ethnien, die woanders ein wenig verfolgt wurden. Diese Waldgebiete sind nicht allzu besonders menschenfreundlich bezüglich Krankheiten und Viechzeugs. So schnell konnten die gar nicht Kinder kriegen, wie die ihnen wegstarben. Heute ist, dank Apotheken des bösen alten weißen Mannes, das flotte wegsterben wesentlich minimiert. Was jedoch blieb, ist der Fortpflanzungseifer. Auch wahrscheinlich ein bißchen dumm.

Dumm sind auch viele Mopedfahrer in Togo. Das kann man schwerlich beschreiben, doch manchmal sieht das schon fast nach Todessehnsucht aus, wie die sich vor die Kühlerhauben manövrieren. In Gegenden wie etwa Teile des heutigen Nigerias, begegnen einem weitaus mehr intelligente Menschen als da, wo es keine alten Häfen mit Anschluss an die Welt gibt. Von dort sind schon im 16. Jahrhundert Studenten nach Lissabon und gaben ihr Wissen in den Familien weiter. Dieser und ein geschlechtlicher Austausch hübscher Yorubinnen mit Portugiesen, die ja mit den überaus intelligenten Alemannen weitläufig verwandt sind, ließen den durchscnittlichen IQ ein wenig nach oben wandern. Interessant ist dennoch, dass in den USA behauptet wird, dass Afrikastämmige, - wir reden populistisch über den Durchschnitt - auch nicht ganz so clever seien wie die Whities und die Völker der aufgehenden Sonne. Was auffällig viel mehr ist unter Afrikanern ist Dummdumm. Also ein Geschoss, sowie die Freude an Gewaltbereitschaft. Ausgerechnet dort, wo, wie in Nigeria, der Quotient ein wenig höher liegt ist auch Gewalt brutaler. In Togo wird viel geklaut. In Nigeria wird viel geraubüberfallt. Kugel in Kopf wegen Auto und so. So hats schon viele Bekannte von mir dumm erwischt.

Dumm ist also, obwohl es ja Einfältigkeit umschreibt, im Gesamten ein durchaus komplexer Sachverhalt. Man geht davon aus, dass eine Person eine an sie gerichtete Weisung ab etwa einem IQ von 80 einigermaßen selbständig interpretierend ausführen kann. So Pi mal Daumen. - Wenn nun der Durchschnitt bei 65 liegt und ich Togoer kenne, die über 100 haben müssen, kann man grob überschlagen, wieviel Teile der Gesamtbevölkerung unter 80 liegen und Schwierigkeiten haben, eine an sie gerichtete Weisung oder Bitte umzusetzen. Diese U 80 werden sogar noch schneller mehr, als in Deutschland die Gender-Trullas.

Und zu guter Letzt gibt es noch die Verdummung. Nennen wir es das Clemensche Syndrom. Was schon intelligent war, nimmt eine rückläufige Kurve. Diverse Drogen und Alkohol sind im Gegensatz zu Alzheimer die eher selbstverschuldeten Auslöser. Auch ein verlorener Ring, falsche Sehnsuchtsprojektionen, das Gollumsche Synomym, kann wichtige Zellen fressen.

  Selfie von Peter im Büro
home

Der Autor in seinem tropischen Büro, während er über Dumm nachdenkt.

nix
Noch dümmer 27.1.2019
 

Dumm, dumm-dumm, brunzdumm. strunzdumm, strohdumm. Dummdideldumm.

Fehlt noch die Betrachtung des "Dummkopfes", die ich hier mit Avepozo Flat in Verbindung bringen möchte. Zwar entfernen sich die Geschichten mehr und mehr von dieser jegliche Intelligenz beleidigenden Bodentruppe, denn zuviel Dummheit wird ja auch irgendwann langweilig, aber wir wollen doch hin und wieder einen der roten Fäden aufgreifen um Struktur zu erhalten.

Da diese tolle Horde hier in Avepozo und Baguida so etwas ähnliches wie Ballermann als Bonzai praktiziert, soll die Beschäftigung mit dem Wort "Dummkopf" also ihnen gelten, die gar nicht merken, dass sie durch alle Geschichten anonymisiert behandelt wurden. Sie sind so wütig, mit ihren Defiziten konfrontiert, dass sie richtiggehend glücklich werden, sich durch meine Anregungen als Nervenkitzler wieder eine neue Geschichte ausdenken zu dürfen. Noch ein Bier, aber flott.

Auch ein Dummkopf kann noch denken. Davon müssen wir hier natürlich ausgehen. Hirn und Herz sind ja Organe die pulsieren. Die Frage ist nun: Wie denkt ein dummer Kopf? Was tut sich da an seinen Synapsen? Welche Erinnerungen werden in einer amorphen hellgrauen, in Alkohol eingelegten Matsche zu neuem Amalgam vermatscht? Welche Feindbilder sind geeignet für ein verblödetes Hirn?

Alkohol ist ja bekanntlich ein Nervengift. Schon die erste kleine Dosis lässt die Enden der Stränge ein wenig zappeln und vermittelt dem sich selbst davon Zuführenden etwas wie neu entstehendes Leben. Meist ist das mittägliche Stadium kurz vor Nachschub noch verbunden mit unterschiedlich zu interpretierenden Schmerzen oder Belastungszuständen, die sich in Kopf und hin und wieder auch in der Magengegend äußern. Doch hauptsächlich im Kopf. Weshalb der Träger desselben also quasi tagtäglich an seinen Schädel durch Weh erinnert wird. Der Kopf kommt ihm durch ein Dickegefühl sehr bedeutend vor. Er vergisst durch die Alltäglichkeit, dass Schmerz etwas ist, das der Körper als System entwickelte um "Error" zu melden. Der aufrechte Trinker hat als Methode zur eliminierung dieser Warnung nicht die Ursache im Auge, sonst wäre er ja auch kein Dummkopf, sondern die eliminierung der Warnleuchte.

Schütt ein Bier drauf. Hohoho.

Der Mensch ist ursprünglich ein Herdentier. Er hat zwar die ganz evolutionäre Formation verlassen, aber je mehr der Verstand des modernen zivilisatorisch entwickelten Individuums aussetzt, desto mehr sucht er die "Peer-Group", die Horde der Gleichgesinnten. Das waren früher etwa die Gruppe der Jungmännchen, die vögeln wollten, aber nicht durften, weil da so ein oder mehrere Graunacken rumsaßen, die die Sache mit den wichtigen Mädels mit denen zusammen im Griff hatten. Zu kleine Schwänze, zu viel vergorene Früchte wegen denen manche von den Jungmännchen deplaziert in die Gruppe hineinkotzten, oder, wenn sie mal doch durften, seltsame Rammelnummern absolvierten, kurz, asoziale Verhaltensweisen zeigten, die angeboren, im Schritt oder im Hirn, verhinderten, dass sie das Zeug zu einem Graunacken hatten.

Der Wurstmacher Rainer war noch ein Graunacken der alten Schule, der zum Schluss aber auch nur noch ganz am Rande eine Rülpser tun durfte. Für einen Schnackler reichte es schon nicht mehr, weil ab einer ganz bestimmten Menge von Nervengift das Gemächt nicht mehr mächtig nach oben kommt und wenn doch noch mal, egal nach welcher Penetrierung, da ausser Pisse auch nichts weiter rauskommt. "Was der Mann gebraucht zum Soichen, damit schafft er seinesgloichen" war für den impotententen Mann der Brätmischungen auch nur noch Geschichte. Doch zum Mythos reichte es noch für die Protagonisten von Avepozo Flat, konnte er doch für ergaunerte 1 Euro Fünfzig noch ein paar sehr sehr jungen unerfahrenen Häschen seine schwarzen Diabeteshaxen vorführen.

In Gedenken an diesen Herrn trifft sich nun die Horde der verstoßenen Randerscheinungen, die nie besonders schlau waren oder die sich im umgekehrten Procedere beständig bemühen, die zu sehr belastende Menge von Gelerntem dem Niveau der anderen durch Erleichterung anzupassen.

Kommunikation innerhalb solch einer Vereinigung lässt sich auch mit einem Chor oder gar mit Punker vergleichen. Bleiben wir zunächst am rein Tonalen und kommen erst später zu Bedeutungen und Text. Der Bass. Bass im Barte. Brummen. Wie ein Weihnachtsmann. In Güte. Ein Brummen, noch ein Brummen. Der Bass hält den Rhythmus. Ein Brumm. Ein Brumm. Ein Brumm. Und noch ein Bier. Dann der Sänger. Nicht dass er wirklich singen könnte, aber es dreht sich ja nur um szenische Betrachtung. Er hüpft herum. Mal hinten, mal vorne. Hat mit was zu tun dann wieder nicht. Schmeisst das Mikro weg und holt es sich wieder. Er schreit, grillt, lacht, fasst der dicken Mitsingerin, die immer drei Töne hält, ein wenig an den Hintern und freut sich daran, dass das Publikum mitgröhlt. Der Schlagzeuger. Muscle-Shirt. Lässt imposant die Stöcklein fliegen. Er schafft es sogar, sie nach zwei Umdrehungen wieder aufzufangen. Ausser natürlich, wenn der Anisschnaps aus zwei Stöckchen vier macht und man das falsche greift. Aber der Fehlgriff wird durch theatralische Krächszlaute lachähnlich vor dem Pubslikum zum running Gag gemacht. Ein kleiner Wicht lässt noch die Fidel kreischen. 15 Minuten glotzt er auf den Notenständer und dann: Ein Kreisch. Fidelfidelkreisch. Dann wieder 15 Minuten Blick auf den Notenständer auf dem er die Vermutung vermutet, dass das, was da sichtbar ist, etwas mit dem zu tun hat, was gerade um ihn herum geschieht.

Dann die fröhliche Blockflöte. Das Kinn streng angezogen flötet sie ein wenig, wenn die Stöcklein des Lärmers zum Salto anheben. Pup pup pupeldipup piep piep piededipiep. Mit dicken Fingern. Fallen die Stöcklein mal wieder neben den Fänger, ermunternt der fröhliche Piepser ihn, denselben Fehler noch einmal zu machen. Weil ihm das auch nach fünfzig Auftritten noch lustig erscheint.

Der Vergleich mit dem Chor gefällt mir nun nicht mehr. Dafür um so mehr die Punk-Band. Denn vom szenischen soll es nun ans inhaltliche gehen. Da muss man schon genauer werden. Was also ein gestandener Punk ist, der hat Feinde, die er für sein Scheissleben verantwortlich machen kann. Am besten eine Figur, die nicht da ist. Die er zuerst durch Schweißgestank und sauren Mageninhalt, nach oben durch Rülps geschmacklich nach aussen gebracht, und anderen Abstößlichkeiten vergraulte um ihm dann nachzuschreien, dass er ein Feigling sei, weil er sich vor Piss und Gestank und Gegröhle verdünnisierte.

Man verhöhnt also zuerst die ganze Gesellschaft ganz allgemein, was durch das Abstrahierte ein tolles erhöhendes Gruppengefühl verschafft um sich danach um ein konkretes Feindbild zu kümmern, das man, als Gruppe durch das Abstrakt vereint, durch gefährlich scheinendes Bellen artikuliert.

Wuff. Wuff. Wuff wuff. Im Marschrhythmus. Wuff. Wuff. Wuff wuff. Vier Viertel Gleichschritt. Wuff. Wuff. Wuff wuff. Es geht gegen den Feind. Wuff. Wuff. Wuff wuff. Die Stöcklein fliegen, der Sänger stolpert, es kreischt die Fidel, bass bass noch ein Bier.

Der Drecksau zünden ich die Karre an. Dem Arschloch schlage ich den Schädel ein. Ich schlitz die Wampe auf, ich leg ihn um. Stell dir vor, der hat eine Rechnung von 100 Euro nicht bezahlt. Den verfolgen wir. Wo er geht und steht werden wir ihm auflauern. Allen werden wir erzählen, dass er einen von uns beleidigt hätte. Dem schicken wir die Kumpels zum Einbruch ins Haus. Wir klauen sein Telefon, wir stampfen seinen Mac. Die Drecksau redet schlecht über Kumpel Rainer. Das Arschloch, die Drecksau, das Arschloch, die Drecksau. Vier Viertel. Gleichschritt. Wuff. Wuff. Wuff wuff.

Im Gleichschritt Marsch macht Dummkopf. Jede Parole gegen den Feind wird begierig aufgeschnappt. Aus 100 Euro die das Feindbild erfunden schuldet, werden 200 und dann 500. Darin ist der Dummkopf groß, wie er bei anderen den Unbill größer macht. Er dabei aber vergisst, dass er seine Miete schon viele Monate nicht bezahlt hat und auch nicht seine Steuerschuld. Der einfältige Horizont geht nur bis zur Erkenntnis der eigenen Verfehlung und die wirft man dem Andern vor. Oder auch, dass Tische auf Gemeindeeigentum stehen ist dem Dummkopf zu hoch. Zu hoch auch, dass andere viele solcher Details kennen, weil sie vor den Suffköpfen da waren. Der Leithund bellt, die Kläffer bellen. Wie soll man da noch denken und begreifen, dass man andere schlafende Hunde nicht wecken sollte. Die Mücke wird zum Elefant. Nach 15 Bier und Schnaps wird dann aus einem sogar zwei Elephant und am nächsten Tag erinnert man sich an vier und wenn einer unsicher ist, wird er vom Rest bearbeitet bis er es glaubt.

So in etwa denkt der Dummkopf. Was mich immer wundert, dass solche Menschen wählen dürfen. Ein guter Freund, ein Monarchist, begründete mir gegenüber seine politische Haltung mal mit einem einzigen Satz: "Er könne eine Gesellschaftsform nicht unterstützen, in der zwei Dummköpfe mehr zu sagen hätten als ein Intelligenter."

Wohin das führt, sehen wir an der derzeitigen Regierung. Der die Fidel krächzt wählt CDU, der Schlagwerker klopft grüne Sprüche, von denen er durch respondente Konditionierung erfuhr, dass sie bei Indigenen die gerade nach Deutschland wollen, sehr gut ankommen, der Sänger ohne Stimme will sozialdemokratisch alle Politiker umlegen. Der Bass sieht braune Horden marschieren und merkt nicht, dass seine dumpfen Sprüche genau die von Faschisten sind und er für sie der Rhythmusgeber ist. Eine Ballermänner Antifa. Von nichts eine Ahnung, die aber laut. Saufende Steigbügelhalter der Zersetzung.

Je lauter sie werden, desto mehr holen sie sich selbst aus der Anonymität der Erzählungen.

  Es wird Nacht am Hafen
home

Es wird Nacht am Hafen. Mit Blick von Baguida aus, am Samstag den 26. Januar.
Noch ganz leicht liegt der letzte Staub des Harmattan in der Luft.
Die Deutschen bauten hier den ersten Hafen. Den wir jetzt sehen, ist von den Chinesen. Die Deutschen brachten Verwaltung, Gesundheit und Bildung, die Chinesen nun Gebrauchsgüter in großer Menge, die fast alle Energie verbrauchen.


nix
ausgebootet 16.3.2019
 

Hart und unerbittlich schlug das Schicksal zu und warf mich medial auf das Niveau des durchschnittlichen Togoers. Die Logic Board genannte Hauptplatine meines fleißigen, noch jungen Mac's gab auf. Hinüber. Kaputt. Von Diesel getränkte Seeluft. Und weil das als Schicksalsschlag noch nicht ausreichte, gab mein alter alter Mac, der mich seit 2006 begleitete und mich über andere, geklaute Mac's hinweg tröstete, ebenfalls die Elektroden ab. Die Grafikkarte, die ihn schon immer über Maßen erhitzen ließ, wollte nun nicht mehr. Geröstet gewissermaßen.

Sechs Wochen dauerte es. Warten auf Godot. Warten auf ein Logic Board. Zuerst die Hoffnung auf ein gebrauchtes. Dann auf ein teures Neues. Ich tauchte in Hinterhöfe ein die so aussahen, als gäbe es da noch nicht mal Strom, doch zwischen Hühner und Foufou stampfenden Tanten war ein Gerümpeltisch, an dem Computer repariert wurden. Toll. Beeindruckend.

Nur wer Wurstfinger hat und ihm ein kleines, altes iPhone 4 blieb um an der Welt dranzubleiben, kann die Pein nachvollziehen die entsteht, wenn eine Allergie an der Zeigefingerspitze entsteht. Die Mädels, die hurtig mit zierlichen Fingerchen beidhändig über die Telefontastatur huschen und fliegen, neidisch werden sie betrachtet. Nix mit beidhändig Däumchen, nein Tip für Tip mit dem dicken Zeigefinger der gern mal zwei Buchstaben auf einmal nehmen will und oft eben den falschen. Ein langer Geschäftsbrief wird zur Folter. Sprachnachrichten bleiben unarchiviert. Betreff wird anonym. Ordner werden Farce. Alles wird ephemer. Mit jeder WhatsAppKorrespondenz nimmt die Menge erbaulicher Bibelsprüche und kitschiger Wünsche für erfolgreiche Tage zu und jede Woche muss das an der Kapazitätsgrenze angelangte Telefönchen von Film und Foto bereinigt werden. Ein falscher Druck und schon wird jemand angerufen, von dem man gar nichts wollte und so weiter und so fort.

Doch es hat auch Vorteile. Man wird mal aus den Gewohnheiten geworfen, lernt Dinge am Telefon kennen, von denen man zehn Jahre nichts wusste und lernt verstehen, wie Togoer Geschäfte machen oder Geld transferieren. Was aber und eben nicht ging, war das hier. Das, was hier lesbar ist. Nichts mehr mit Geschichten schreiben eben mal so. Vom kaputten Drucker, dem nach dem Treiber auch noch der Rest des Innenlebens funktional abhanden kam, die weißen Blätter herausgeholt, dem Lamy-Füller eine neue Patrone verpasst und wieder Schönschrift geübt. Dem Kugelschreiber zu neuer Blüte verholfen. Foto mit dem Telefon und ab die Post über Googlemail und WhatsApp. Geht doch. Geheimdienstsicher und hochindividuell mitten im Massenbetrieb.

Doch nun gibts wieder Fortsetzungen. Bald gibts Namen und Neues von den Bananendieben. Die hellen Vertreter trollen sich in Richtung Europa, die Dunklen schauen den einsamen Schreiber im Biergarten mit frechem Respekt an. Es kommt noch was.

  Zwei Personen und drei Schafe
home

Ein Moped, zwei Personen und drei Schafe


nix
 
Deutschland ist ein Suuuperland, - toll
Die vorige Seite "Zahn-Rat und weisser Spuprematismus"
Zur Blog-Hauptseite
Zur Hauptseite
Zu den nächsten Geschichten: "Gender aus afrikanischer Sicht" Weiterleitung
nix

home
top