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von Peter Herrmann, ab dem 12. November 2018

nix
Togo ist ein tolles Land ... ,

Gemerkelmacron

Suprematismus

Der letzte Tag

2019

Korruption

... na ja, fast. Fehlt noch ein bißchen.

Wie überall in der Welt schlägt das Alter unerbittlich zu. Wem der Zahn vorher noch nicht von einem als friedlich bekannten Togoer im Rahmen einer von ihm ausgehenden Rassismusdebatte ausgeschlagen wurde, steht irgendwann vor dem Problem, ein wackelndes Etwas zu entfernen, das mangels Knochenmasse langsam die Trennung von Körper und Geist anstrebt. Ein Zahnarzt des Vertrauens muss gefunden werden.

Eine Adresse ist in der Stadt, weit weg, von der man Gutes hörte. Doch Mut ist eines wackeren Mannes Eigenschaft, wenn die Welt der Damen beeindruckt werden soll. Woher schöpft man Mut? Das ist gar nicht so einfach. Eine zugespielte Visitenkarte eines lokalen Dentisten Avepozo's, den keiner kennt, in Verbindung mit einem schmerzenden Kauapparates kann Mut herausfordern. Dann noch eine kleine Verkettung von Umständen, die vorher nicht so gedacht waren und schon beginnt der couragierte Lauf.

Beim Automechaniker meines Vertrauens, dessen Werkstatt mir zur zweiten Heimat wurde, zückte ich jene zugespielte Visitenkarte auf der stand: "Gesundheitsministerium" und "Klinik des heiligen Geistes". Ein weiterer Gast der zweiten Heimat war ein junger Togoer, der mich schon lange bat, im Rahmen der Familienzusammenführung auch ihm die Papiere nach Deutschland zu ermöglichen. Er erkannte, dass besagte Dentistenklinik in seinem Quartier tätig sei. Schon lange lauerte er auf eine Gefälligkeit. Nun war sie da. Er führe mich. Mut war da noch nicht da, eher Einfältigkeit. Lange suchten wir in seinem Viertel jenes Etablisement, doch viele die wir fragten, wussten es nicht, bis wir durch telefonieren in der Strategie des Einkreisens fanden was wir suchten.

  Gesundheitsministerium

Für Schwangere und Schmerzgeplagte

Bucco-Dentaire-Heilung neben der Betreuung von Schwangeren wurde hier als seltsame Mischung zweier Bereiche versprochen. "Besuche" und "medikamentöse Heilung" ergänzten das Erstaunen. Auch die fehlende Lizenznummer trug nicht zur Vertrauensbildung bei. War jener, der mir die Empfehlungskarte übergab ein Feind?

Nach Kenntnisstand meiner Werbepsychologie wurde hier alles getan, Vertrauen schon im Vorfeld konsequent zu zerstören. Was Bucco-Zahnlich bedeuten sollte, erschloss sich weder im Moment der Entdeckung noch später durch ein Übersetzungsprogramm. Neugierig, weil im chinesischen Jahr des Affen geboren, streckte ich den Kopf über einen Lattenzaun, sah pflatschend eine dicke Dame, die ihre sehr dicken Beine gespreizt weit von sich streckte. Am Umfang war nicht sichtbar, ob sie mit Schwangerschaft etwas zu tun hatte oder wegen Ausarbeitung eines Fitness-Plans wartete. "Ja kommen Sie doch herein".

Erwähnte Verkettung von Kleinereignissen riss nicht ab. Das Verhängnis nahm einen weiteren Verlauf und ich trat ein, weil so höflich gebeten. Hier war Jemand zugange, der Gynäkologe und Zahnarzt in einem war. Wo absolviert man solch ein Doppelstudium? Zwei Pritschen waren ein Krankenzimmer, das schon von außen Einblick gewährte. Auf den Pritschen lagen von Decken und Dunkel umhüllt zwei Personen. Neben ihnen alte Kleiderständer, an denen Flaschen mit Schläuchen hingen, die nach Transfusion aussahen mit denen Malaria kuriert wird.

  Medizinisches Kabinett

Medizinisches Kabinett zum heiligen Geist

 

Zu meinem Begleiter sagte ich, dass ich mich hier lediglich erkundigen wolle. Ein Zahn-Rat einzuholen gedenke. Obwohl ich eindeutig traditionell einer früher mal existierenden Herrenrasse entstamme, hört mir in Togo immer nie jemand zu.

Die Klinik hat einen Umfang von 7 auf 7 Meter, der sich unterteilt in einen Warteraum, ein Krankenzimmer, ein Büro, in das ich gerufen wurde und einen Behandlungsraum in dessen Zentrum ein älterer, aber sehr professioneller Multifunktionsstuhl für Zahnbehandlung und Mösenkucken steht. Es ist sehr eng, bietet aber noch, kaum vorstellbar bis man es gesehen hat, genügend Raum für fünf Helferinnen und Helfer für behandeln und schauen.

Tolle Poster über Organe und weitere Geschenke der Pharmaindustrie schmückten das "coupé-glué". Der Nigerianer würde sagen, das "cut am, nail am". Sinngemäß bedeuted dies: "Säg's ab und nagel's zusammen". Eine wilde Mischung von Latten, Hartfaserplatten und verschlissenen Stoffen. Ein alter Ventilator baumelt, die Birne leuchtet für Behandlungszimmer und Büro gleichermaßen und verweist auf ökonomischen Verbrauch von Elektrizität. Ein resoluter kleiner dunkler Herr schüttelte mir die Begrüßungshand und bat mich, Platz zu nehmen. Was ist mein Anliegen? Ich wolle mich erkundigen. Er müsse sich das anschauen. So lernte ich nach Büro die Liege kennen.

Ab diesem Moment begann etwas, von dem ich nicht wusste, ob dies nun Mut, Masochismus oder Hilflosigkeit in Dummheit war. In einem wildbachgleichenden Französisch, das mit etwas Phantasie auch auf Frankreich schließen lies, erklärte er, heute nur eine Zahnreinigung vorzunehmen, der Zahn käme morgen dran. Meinen Einwand, ich sei nur zur Begutachtung und Auskunft hier, überhörte er. Zuerst müsse alles sauber sein. Dass dies in eklatantem Widerspruch zur Führung seiner Klinik stand, wurde erst später als solcher kenntlich. Dann müsse ich Antibiotika einnehmen, weil da schon alles entzündet sei. Mit dieser Bemerkung hatte er gewonnen. Denn auch ich wusste, dass dies von Anderen schon mal so gesagt wurde und billigte ihm nun Kompetenz zu. Es blieb auch nicht viel anderes übrig, war ich doch so gut wie festgebunden zwischen den Helfern, die mir eine Leder umbanden, Wasser in Becher füllten, Tempo-Taschentücher in die Hand drückten, gemurmelte Anweisungen des Klinikleiters ausführten wie: Schreib so, wie du es verstehst, ich korrigiere das später. Da Schreiben nach Gehör auch in deutschen Schulen gelehrt wird, bestand kein Anlass, darob erneutes Misstrauen zu entwickeln.

Dann begann der Schmerz. Im Prinzip war das gesamte Instrumentarium wie in Zentraleuropa. Lampe, Bohrer, Schleifstifte, Wassergeber, .. nur irgendwie ... nicht ganz so sauber. Man setzt in Togo andere Resistenzkräfte voraus. Wer hier überlebt, überlebt auch des Zahnarzt's Schleifer. Zielsicher fuhrwerkte er in meiner Mundhöhle herum. Es kreischte und quitschte und immer wieder flüsterte eine weibliche Stimme "Courage", "Courage". Also: "Mut", "Mut". Ich hatte Mut und spuckte viel Blut und die weibliche Stimme drückte mir immer die Beine.

  Wartezimmer in der Klink zum heiligen Geist

Wartezimmer in der Klinik zum heiligen Geist mit Einblick in das Krankenzimmer und eins von zwei "Betten". Zähne ziehen geht Sonntag morgens und bis es soweit ist, gibt es christlichen Chorgesang.

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Ich fand mich im Büro wieder. Alles schien heile an mir zu sein, die Zähne sauber, der Schmerz war weg, die Übertölpelung war nóch da. Das kostet, mit morgen ziehen und einen Zahn modellieren alles fast 100 Euronen in in indigenen Franken, so sagte mir der Allgemeinmediziner. Dies dürfte so etwa das Doppelte von dem sein, was es für dunklere kostet. Der Schmerz war weg und der Gedanke "Au, der bescheisst mich" ging nahtlos in einen zweiten über der dachte "Mach einen auf SchweizerAlbert und unterstütz das togoische Gesundheitssystem". Ich handelte noch ein wenig, weil ich dies und jenes nicht benötige und ging, um morgen wiederzukommen.

Der Zahn ist raus und im Rückblick verlief alles zufriedenstellend. Die schöne Stimme "Courage" wird noch ein wenig in Erinnerung bleiben und ob es Mut oder Masochismus war löst sich als Frage langsam im Nichts auf.

nix
Denk ich an Europa in der Nacht ... 13.11.2018
 

Musste sich der Autor wegen eines Zahnarztbesuchs noch fragen, ob er masochistische Veranlagungen in sich trägt, so muss dieser Frage in letzter Zeit immer häufiger bei der Lektüre über Geschehnisse in Deutschland und Frankreich gestellt werden. Wär ich ein Togoer oder sonstwie Afrikaner, würde ich mich auch in Richtung China wenden.

So gedenkt man der Toten des ersten großen Weltkrieges. All die Helden sitzen nach Giftgas ja nun auf dem Ast von Yggdrasil oder sitzen auf Wolken und spielen Harfe. Die Glücklichen.

  Frau Dr. Angela Merkel und Herr Manuel Macron

Eine Gedenktafel wurde enthüllt. Die Kanzlerin erhob sich auf Zehenspitzen, griff nach dem Präsidenten, lächelte mädchenhaft verzückt, um schließlich ihre Stirn an seine Schläfe zu schmiegen: ein Mann und eine Frau, der Welt für den Augenblick entrückt.
(Ein irgendwo kopierter Text, by the way)

 

Herr Macron glücklich in Umarmung mit seiner dritten Mama. (Eine, die ihn warf. Eine Mama die ihn ehelichte. Eine, die er ausquetscht).

Da find ich Togo angenehmer. Der Präsident lächelt in manchen Büros und man kann sich über Goldfarbrahmen aus Plastik geschmacklich streiten. Aber noch kein Foto erreichte auch nur annähernd diese peinlich inszenierte Geschmacklosigkeit.

  Frau Merkel und Herr Macron

Und weils so schön ist, noch eine Peinlichkeit oben drauf. Ja, so gedenkt man toter Soldaten. Während Herr Macron noch die französisiche Trikolore zeigt, obwohl er der Meinung ist, dass seine Vorfahren ganz viel Verbrechen begangen hätten, verkneift sich die in der DDR ausgebildete und als christlich getarnte Sozialistin die deutsch Trikolore. Wahrscheinlich, um Herr Macron nicht damit zu brüskieren, dass die deutsche Fahne noch aus den Befreiungskriegen gegen Napoleon stammt. Und gegen die Preussen. By the way.

Angela Merkel und Emmanuel Macron

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Ein Holländer schenkte mir auch mal eine Deutschlandfahne. So eine kleine mit Saugnapf die man innen an die Windschutzscheibe bappen kann. Sonst hatte ich es auch noch nicht so mit Deutschlandbekundungen. Aber es hatte etwas, damit in Togo in einem alten Dieseldaimler herumzufahren. Besonders die ivoirischen Kids meiner Freundin fanden das Obercool. Als das französisch-schweizerische Unterschichtskonglomerat jedoch nächtens ein Feuerzeug an meine Sitze hielt, ging auch die deutsche Bekenntnis in Flammen auf.


nix
Weißer Suprematismus ...11.2018
 
Bitte noch ein wenig warten. Ist komplizierter als gedacht, die Sache mit der weißen Überlegenheit oder weisen Überlegenheit.
kleine graue Linie
  ...12.2018
 

Die geneigten Leser und viele Autoren wissen, dass sie nicht im Besitz der absoluten Wahrheit sind. Immer wieder liest man das. Selbst von Vertetern der hellhäutigen überlegenen Spezie aus Europa, die langsam von Asiaten im IQ überholt werden. Das geht auch gar nicht. Den ich, Peter Herrmann, bin im Besitz der absoluten Wahrheit. Leider schafft mir das viel Feinde. Noch mehr Feinde bekomme ich dadurch, dass ich die absolute Wahrheit hin und wieder ein wenig verändere. Das bringt mir bei Neidern den Ruf ein, arrogant zu sein. Was ich sehr ungerecht finde. Es ist ja nicht immer einfach, ständig überlegen zu sein und darauf achtzugeben, dass die absolute Wahrheit nicht verloren geht. Auch die große Verantwortung die auf dem Schreiber lastet, weil er noch nicht weis, wer nach seinem eventuell doch möglichen Ableben die absolute Wahrheit übernehmen kann. Es kann nur Einer. Nicht Eine. Einer. Ausserdem muss er ein Vertreter einer überlegene Rasse sein, die sich seit Jahrhunderten entsprechend im Genpool so vermischelt hat, dass da das Überlegendste schlechhin bei rauskam. Versucht man dies mit der sorgfältigen Methode des methodischen Einkreisens, wird man im heutigen Südwesten Deutschlands landen. Ausserdem wollen wir die absolute Wahrheit genauso absolut nicht ernst nehmen.

Die Afrikaner und ganz besonders die Afrikanerinnen wissen das, weshalb sie nun ihrerseits dabei sind mit der Mischelmischel-Methode den Genpool zu erweitern. Das machen sie dadurch, dass sie dem Autor die Töchter des Hauses nachts ins Bette legen oder die jungen Damen in der Blüte ihrer Schönheit und Reife fragen, ob sie einen kleinen Mischling von einem haben können. In Deutschland gibt es nun Schneeflöckchen, Sufragetten und Verknurgelte, die schimpfen über die Überlegenheit von tollen hellhäutigen Männern, die Motoren und Computer und Flugzeuge und Telefone und auch sonst noch allerlei Schnickschnack erfunden haben und auch noch besser einparken und kochen können. Wegen Aliment-Rechten geht das in Deutschland nicht mehr so einfach, dass man einen Mann fragt, ob man eine kleine Genpoolerweiterung bekommen könnte. Der überlegene hellhäutige Mann tut da seinen Lümmel lieber in eine Pygmäin oder Touaregin oder Bantuidin rein, weil die nur Kind wollen, aber keine Alimente.

Deshalb keifen und schimpfen meist unansehnliche, benachteiligte hellhäutige Frauen über ihre Benachteiligung obwohl sie doch eigentlich zu den Bevorteilten gehören müssten. Da sie als Pfarrer- und Lehrertöchter keinen wirklich germanischen Kerl abbekommen, rächen sie sich dadurch, dass sie die Türen der Festung heimlich öffnen und präpotente Musulmanen mit Krummdolchen hereinlassen. Das hat der überlegene hellhäutige Mann nun davon, dass er sie lesen und schreiben lernen ließ. Nun will die frigide Armada sogar in die Parlamente um Gesetze zu schreiben, dass die Türen für die Musulmanen offen bleiben dürfen. Ein paar eierlose Opportunisten schwänzeln um sie herum, weil die Oberpfarrerstochter immer so ein geheimnisvolles Zeichen macht, das einen geöffneten Schoß darstellen soll. Doch das wirkt nur auf Eierlose. Ein richtiger Keltgermanenromane zieht da eine Bantuidin vor. Statt einer die aus der unfruchtbaren Uckermark kommt, unfruchbar blieb, Unfruchtbares ausbrütet und auf der Brut sitzen bleibt, obwohl da nie wieder was rauskommt und auch schon immer und früher eher etwas unfruchtbar aussah. Eigentlich riecht es schon recht verfault. Darum wandern so viele aus. Dahin, wo noch fröhlich gemischelt wird.

Da wäre Togo. Der hellhäutige überlegene reife tolle Mann, der Chemie, Physik und Philosophie erfand, klügelte lange an einem System herum, das ihn auch in aller Öffentlichkeit als solchermaßen überlegen bewies. Er nannte es: Intelligenzquotient. Das hat er so gemacht, dass ihm auch Sozialisten nichts anhaben können, die ohne Beweise davon ausgehen, dass alle Menschen gleichermaßen begabt seien und Physik und Philosphie erfinden könnten. Warum das allerdings in Togo noch niemand gemacht hat, können Sozialisten nur dadurch rechtfertigen, dass der Togoer permanent dergestalt unterdrückt und zum Kokosnuss ernten gezwungen wurde, dass er sich nie seiner Veranlagung gemäß entfalten konnte. Die Unterdrückungsmethode sei perfide und subtil. Indem der hellhäutige überlegene reife tolle Mann den Togoer dadurch erniedrigt, dass er ihn nur übrig gebliebene Klamotten anziehen und übrig gebliebene Hühnchenteile essen lässt, hält er ihn in einem künstlichen Minderwertigkeitskomplex. Und immer noch gilt, dass wir das alles sehr absolut nicht ganz ernst nehmen.

Graue Linie
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Es ist noch nicht aus mit der Beschreibung der Überlegenheit des tolllen, reifen, hellen Mannes (also mir), es wird nur kurz unterbrochen von einer neuen Geschichte.

nix
Der letzte Tag im Jahr 1.1.2019
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Zuhause. Auf dem Bett. Im Computer Blogs und Zeitungen. Kaffee machen. Reis, Gemüse, Calamar. Der Tag plätschert dahin und von meinem Heiler kommt ein langer Brief in dem er beschreibt, glücklich zu sein, dass er den Absprung in Deutschland geschafft und mir die Vorzüge Chinas beschreibt. Ein qualifizierter Deutscher mehr, der Platz macht für musulmanische Ausnützer des Sozialsystems. Ich freue mich für ihn und seine chinesische Freundin, die wohl seine Frau werden wird.

Normalerweise gibt es keine Filme, weil die zu viele Mega’s fressen, die in Togo gespart werden müssen. Doch einen schaute ich mir an. Rollschuhlaufende ältere Frauen und viel ältere und alte Männer im Park. Könnte sowas wie Florida oder Kalifornien gewesen sein. Der virtuoseste ist ein Dunkler mit erheblichem Bauch. Zu neuester elektronischer Musik drehen sie unfassbar schöne Pirouetten. Akrobatische Einlagen und rhythmische Läufe, perfekte Kamera, hervorragender Schnitt. Eine Träne schmuggelte sich in meinen Augenwinkel, wie da so die verschiedensten Herkünfte eine Freude hatten an gemeinsamen Tun.

Ich hatte eine einzige Einladung zu einem Fest, auf dem man den Jahreswechsel zelebrieren wollte. Diese Einladung hatte das beschissene Design irgendeiner Umsonstvorlage, mit völlig übertriebenem Speisemenü und war umgewandelt worden in pdf-Format. 5 Megas für ein Ding das an einen Flyer erinnern sollte, das klein, auf einer sehr viel zu großen weißen Fläche platziert, dadurch das 20fache an notwendigen Bytes verschlang und über das Billigmedium WhatsApp verschickt wurde.

Zwei Tage vor der Versendung saß ich als Zufälliger dabei, als der Koch, die schöne Wirtin und ihr neuer deutscher Schnuckiputzi das Menü zusammenstellten. Die zwei Schuckiputzis hatten sehr verschiedene Vorstellungen was Gäste wollen könnten und der Koch, der die Erfahrung hätte, versuchte verzweifelt zu retten, was zu retten sein könnte. „Nein, du weißt doch, das mag ich nicht“, sagt der männliche Schnuckiputzi. Immer wieder betonte er, dass er sich nicht in die Geschäfte einmische, die ihn nichts angehen und mischte sich ständig ein in die Geschäfte, die ihn nichts angehen und von denen er auch keine Ahnung hat. Auch an das gekochte mischte er sich also ein, das seinen Ansprüchen so gut wie nie genügte. Es dürften etwa zwei Gerichte dieser Welt geben, die ihm im Prinzip schmeckten, doch wenn sie vom Koch gemacht wurden, Grund seines spezifischen Anspruchs im Detail auch nie zu voller Zufriedenheit ausgeführt wurden. Noch nie konnte ich einen so häufigen Wechsel von Köchen erleben, wie in meinen Jahren als Gast in der „Bar jeglichen Vertrauens“, die sich auch als Restaurant bewirbt. In der Ausarbeitung der Menüfolge war eine kommende Kündigung zu erspüren, weil sich das untrüglich prophetische Gefühl einschlich, dass aus dieser Disharmonie wieder einmal nichts werden wird. Nach Schweden würde der Koch gerne, so wusste ich noch aus früheren Gesprächen. Das hat doch alles keine Zukunft hier in Togo. Er hätte als Ivoirer einen Flüchtlingsstatus, ob ich ihm nicht irgendwie helfen könne. Was ich gerne nicht mache. So nett und qualifiziert ich ihn auch finde.

Es war also nun der letzte Tag im Jahr, es wurde Abend und der Drang etwas zu sehen von der Welt lockte weg vom Bett und Blog und Zeitung. Die Reserveleuchte am alten Dieseldaimler leuchtete gelb und zunächst gab es eine kleine Füllung für ihn, damit er ohne Warnung ins neue Jahr kommt. Dann ab zu einem schönen Platz … Nein falsch. Zu einem Platz, der schön sein könnte, wäre da nicht überall und rundherum Müll, in den die Gäste auch noch ungeniert hinein pissen. Der Platz war trotzdem heute schön, die riesigen Bäume majestätisch, die Bedienungen gelangweilt und zu Beginn des Besuchs noch fast leer. Ein Bier, drei Spießchen und ein Maisklos und herbei kam eine Truppe, von denen die meisten sich auf den Weg zur Trunkenheit schon woanders aufgemacht hatten.

Ausnahmsweise gab es keine beschissene Musik und ich genoss die Stille. Meine Vermutung, dass wohl glücklicherweise die Anlage kaputt sein müsste am letzten Tag des Jahres, bestätigte sich zunehmend, weil einer aus der Gruppe, der auf dem Weg zur Trunkenheit vermutlich der Gruppenleiter war, ständig nach dem DJ grölte, aber nicht erhört wurde.

Durch die Helle meiner organischen Hülle auffällig, bin ich besonders anfällig für kumpelhafte Anmache. „Hallo Neger“. So muss man sich den Beginn der Kontaktaufnahme vorstellen. „Guten Appetit, Neger“ so schreit ein anderer herüber. Ein indigenes „Danke“ mit erhobenem Daumen soll zeigen, dass man den freundlich gemeinten „Neger“ mit „Yovo“ als Synonym zu würdigen weis. Die Truppe zieht weiter auf ihrem Weg und einer der Mopedfahrer wird in den nächsten Stunden eingeliefert werden in den Wartesaal eines heilenden Instituts.

Die Dämmerung beginnt, die Langeweile hat schon begonnen. Da immer noch keine Musik zu hören ist, dürfte an dieser gastlichen Stätte der Umsatz des Jahresendes vorbeigehen, denn ohne Lärm keine Stimmung. Alles in mir sträubt sich irgendwohin zu gehen, den Ort der kontemplativen Stille zu verlassen, denn überall wird die selbe Musik zu hören sein. Ein deutscher Leser muss sich das so vorstellen: Helene Fischer und etwa drei Artverwandte wären immer und überall zu hören. Meist aus kaputten Lautsprechern oder völlig übersteuerten Bässen oder beides. In jedem zweiten Lied von Helene Fischer und ihren Artverwandten käme das Wort „Halleluja“ vor. Ein masochistischer Drang drängt mich dennoch dahin, von wo die einzige aller Einladungen kam und wo durch den Einfluss französischer Menüfolge, bei der nicht mal Froschschenkel fehlten und Kapern, die kein Togoer je anrühren würde, das Versprechen nach Abwechslung lockte.

Um die „Bar jeglichen Vertrauens“ herum dröhnten die Lautsprecher anderer Etablissements. Doch in der Bar mit Bambus, die jüngst von einem Kiffer bunt dekoriert wurde, war Stille. War vielleicht die Anlage geklaut? Es bestand Hoffnung. Hoffnungslos allerdings schaute das Publikum aus. Freudig begrüßten die drei Bedienungen, von der die Dritte momentan noch unschlüssig ist ob sie, wie die anderen zwei, auch zusammen, mich ehelichen wollten. Lieber teilen, als die Misere von 40 Euro Monatslohn fortsetzen. Die Möglichkeiten der Tragödie zu entkommen, verschwindet beim Blick auf das vorhandene Publikum das nur fortgesetztes Leiden verspricht.

Frau Wirtin ist sehr aufgedreht und erledigt Kleinigkeiten, die alle schon Tage vorher erledigt hätten gewesen sein müssen. Aufgeregt schickt sie noch einen Helfer weg um Leuchtebirnen zu erstehen. Tut so, als wäre Stimmung angesagt, schwenkt den Hintern und klatscht rhythmisch stimmungsgeladen sehr laut mit den Händen, wobei der Rhythmus nicht jener ist, der aus der nun leider angeworfenen Musikanlage dröhnt. Ungewollt synkopisch gegen Helene Fischer gewissermaßen und gegen Halleluja auch. Stimmung ! Batsch Batsch. Doch es prallt empathielos an den vorhandenen Stoikern ab.

Die Bar selbst muss der geneigte Leser sich als ein „U“ vorstellen, an dem inmitten von Bambus und verkifften Ornamenten etwa 13 Personen bestuhlt Platz finden könnten. Während dieses Anheizversuchs der Frau Wirtin saßen in diesem Moment vier Personen. Der Beobachter als Fünf am hintersten Platz bei der Spüle um seinen potenziell Angetrauten nahe zu sein. An der Frontseite gut im Blick nun Gollum, dem treuen Leser aus den Geschichten mit dem Wurstmacher Rainer bekannt. Der Mann im Outfit der Holzfäller des hohen Nordens, als Freund des Wurstmacher Rainers ebenfalls bekannt und Schnuckiputzi, der Mann der vorgibt mit nichts etwas zu tun zu haben, aber an allem herum nörgelt, ebenfalls ein früherer Freund des früh verschiedenen Wurstmacher Rainer. Gegenüber, die dritte Seite des „U“ dominierend mittierend, der indigene Herr Leopold. Bevor ich näher auf die zugereisten Personen eingehe, möchte ich erwähnen, dass der Blick des Herrn Leopold mit Hass geladen war, den er noch dadurch unterstrich, dass er beide Arme weit von sich streckte, die Hände an der Tresenkante fest verankert, mit bösem Blick leicht den Oberkörper und so auch zwangsläufig den Kopf wippend. Böser böser Blick. Herr Leopold ist nämlich der neue Freund der Schweizer, somit aktiver Protagonist von Avpozo Flat, küsst Mongo Doppelkinn im Stil einer gemeinsamen Wiedergeborenensekte und tut nun auch gern andere blöde anmachen. Fehlt nur ein Grollen.

Der letzte Tag im Jahr des Herrn 2018 sollte also zu Ende gehen mit Gästen, die mir nicht gewogen sind?

Bevor nun also der Verlauf von zwei Stunden in Kürze geschildert wird, ein paar Worte zu den Gästen selbst, die alleine durch ihr Erscheinungsbild schon jegliche Stimmung verhindern. Es gibt kaum Deutsche in Togo und von den wenigen die es gibt, sind die seltsamsten drei jene, die mir nun gegenübersitzen und die Franzosen vom französischen Menü abhalten, an dem vorher der jeglicher Küche vollkommen abholde Schnuckiputzi seinen Nörgelbeitrag beisteuerte. Gollum, wie der Name schon sagt, ist jener, der vor langer Zeit schon seinen Ring verlor und aussieht wie man sich Gollum aus der berühmten Trilogie vorzustellen hat. Er ist rücksichtslos, egoistisch und patzig unfreundlich. Ein Scheusal, der schmierig freundlich werden kann, wenn er Interessen hat und ständig in sein Telefon glotzt als wär da drin der Ring. Der letzte überseeische „Spiegel“-Leser. Einst ein leicht Intellektueller ist er heute ein Bauleiter der unterst denkbaren Stufe, so eine Art Bau-schemel also, der für 60 Euro die Woche angestellt ist, um die Rolle des Scheusals gewinnbringend umzusetzen und als Heller den Capo zu spielen. Diese 60 Euro werden in Katzenfutter und Bier an der Bar jeglichen Vertrauens investiert. Dadurch ein mittelguter, täglicher Gast, den niemand so richtig mag und er sich selbst in dieser Rolle gut zu gefallen scheint. Hin und wieder brüllt er am Tresen in sein Telefon um am anderen Ende einen Jener rassistisch und diskriminierend herunterzuputzen, der ihm in seinen 60 Euro mit 40 Euro untergeben ist. Das gefällt Gollum gut, dass das alle anderen mitbekommen, weil er der Meinung ist, dass dies seine verantwortungsvolle Position gebührend unterstreicht und hervorhebt.

Neben ihm nun der Mann im Oufit der Holzfäller der hohen Nordens. Ein gemütvoller Mensch mit langem vollen Barte und Haaren die ihm über die Schulter wallen. Aus irgend einem seltsamen Grund wird dieser Schrat von allen Jesus genannt, was ihn im heiteren Gemüte lächeln lässt. Früher gab es Wirtschaften, wo Veteranen bei jeder sich bietenden Gelegenheit über ihre Erlebnisse aus Stalingrad berichteten und wie sie der Hölle entkamen. Bei Jesus wurde die Wüste Sahara zu einer vergleichbaren Obsession. Die Sahara wurde, ähnlich den Glaubenssätzen eines Zeugen Jehovas, zu einem geschlossenen tautologischen Prinzip. Jedes Gespräch über egal welches Thema, das bei den einen zu Stalingrad, bei anderen zu Gott führt, führt bei ihm zur Wüste Sahara, die er mit dem Wurstmacher Rainer gemeinsam eroberte. Dies, übrigens, macht ihn zum Wegbegleiter des Schnuckiputzi der Frau Wirtin, der auch ein paar Mal miterobern durfte. So von sich eingenommen, merkt er noch nicht einmal, dass der Schreiber sehr viel öfters und sehr viel länger die Sahara bereiste. Allerdings unterscheidet sich die Form der Betrachtung und Darstellung sehr erheblich voneinander. Bei Jesus verdichtete sich der Horizont auf geschätzte 20 Anekdoten, die sich immer um ihn selbst drehen. Den eisernen Sitzer.

Für Togoer ist er ein Phänomen. Er benötigt nur zwei Tage um den Monatsverdienst einer Bedienung in Form von Bier seinen Hals hinab laufen zu lassen. Schon vorher bei Chez Alice, dem geneigten Leser als Hort der schweizer Fraktion, wo ich die Bananendiebe, wie ich sie damals nannte, vermutete, betankte sich Jesus nach dem Aufstehen um 14 Uhr mit Aufwärmer. Drei bis sechs Monate im Jahr die er unter der Vorgabe Geschäfte machen zu wollen in Lome Urlaub machend verbringt, hat er nun die Bar jeglichen Vertrauens als ständigen Sitz auf ständig dem gleichen Sitz ausgemacht. Da sowohl Gollum als auch Schnuckiputzi ständig an den Abrechnungen nörgelten, stellen nun die Bedienungen jede geleerte Flasche vor dem Trinker auf den Tresen. Man muss das gesehen haben um es zu glauben. Da stehen 10 leere Flaschen und eine elfte wird mit dem Feuerzeug geräuschvoll geöffnet, damit er zeigen kann, schneller als die Bedienung zu sein, die gerade den einzig vorhanden Öffner von der anderen Bedienung haben möchte. Um sicher zu sein, dass es Gollum zu seiner Rechten und Schnuckiputzi zu seiner Linken auch merkt, nickt er lächelnd im Barte in beide Richtungen und macht ein kleines hohoho in Richtung Bedienung, die brav zurück lächelt.

Wenn der Schreiber nach Hause geht, stehen da zwölf Pullen und es wird am nächsten Tag berichtet, dass die Nacht noch drei Stunden weiterging.

An dieser Stelle möchte ich auf Togo etwas näher eingehen. Die Bedienungen, hoffnungslos schlecht bezahlt, werden dies nicht nach Stunden, sondern pauschal. Ob der Tag nun acht Stunden hat oder 16 spielt also keine Rolle. Da Frau Wirtin von den 40 Euro Monatslohn bei jeder Gelegenheit noch gemachte „Fehler“ abzieht, erhöht sich das Risiko einen Fehler zu machen bei dem Verhältnis 8 zu 16 bei 16 um das Doppelte zu 8.

Dank Jesus und Schnuckiputzi, auf dessen wackeren Konsum von Alkoholischem ich schon in vorigen Geschichten einging, verlängert sich nun die Arbeitszeit ohne Erhöhung des Entgelts mehrerer Angestellter um einige Stunden pro Tag. Während die Bedienungen dem lächelnden Phänomen Jesus zuschauen, der ganz und gar unchristlich ihre unbezahlten Überstunden verlängert und dabei bis zu unfassbaren 20 Flaschen Bier als Durchlaufmedium stemmt, vermindert sich die Einkunft gewissermaßen potenziell zu jedem seiner Schlucke. Bier hinten raus aus dem Kühlschrank, durch Jesus hindurch, um alle Stunde mit stapfendem Gang hinten im Klo gefiltert entsorgt zu werden. Als grobe Rechnung mit 0,2 Abbaufaktor, steht Jesus unter 3 Dauerpromille.

Da Trinker noch die unselige Eigenschaft haben, ihren Konsum bei der Abrechnung tendenziell herunterzuspielen und dies sich in den Abrechnungen gegenüber den Bedienungen ebenso tendenziell zu deren Ungunsten zeigt, ist hier ein weiteres Potenzial der Benachteiligung enthalten. Dies zu honorieren ist jedoch unter der Würde der guten Kunden, dessen Umsatz ja von Wirtin, also Schnuckiputzi von Schnuckiputzi eingestrichen wird aber nicht von Koch oder Bedienung. Das aber ist nicht das Problem eines fröhlichen Urlaubers.

Nun also zum Dritten, der mir am letzten Tag des Jahres bei leichter Drehung gegenüber saß. Der würde jeden Tag zwei Flaschen Wein trinken sagen die Angestellten. Nicht dabei bei diesem Superlativ sind Pastis und Bier, die zwischendrin für Abwechslung sorgen. In Verbindung mit Seh- und Gehbehinderungen schlichen sich schon motorisch sichtbare Ableitungen dieses Konsumverhaltens ein. Der Leser sollte nun versuchen, sich in die Rolle eines unbedarften Franzosen, Italieners oder Nigerianers hineinzuversetzen, der auf demselben Stuhl landet wie der Beschreiber. Im Gegensatz zu ihm aber des deutschen Wortes und deren gehobenen Bedeutungslosigkeit nicht mächtig ist. Versatzstücke von Sahara, Katzen, Spiegel und dummen Togoern wechseln sich ab mit Spiegel, Katzen, dummen Togoern und Sahara.

Ein solcher Franzose gibt also ein paar Worte auf deutsch zum Besten, damit man ihm freundlich gewogen ist, sieht aber auf den zentralen Sitzen der Bar jeglichen Vertrauens eine geschlossene homogene Gruppe, die sich nach eine paar Sätzen ebenso geschlossen wieder auf deutsch unterhält. Angereichert wird diese Szenerie durch die sporadisch auftauchende schweizer Fraktion, die als soziale Bodensatzgruppe das öffnen von Flaschen mit Feuerzeugen, den Füßen auf dem Tresen, dem Bestellen von Bier durch leere Flaschen auf den Tresen hauen noch ein paar andere, dem Togoer nicht so bekannte Verhaltensweisen anreichert. Kotzen gehört auch dazu und die rheinländisch-schwäbisch-fränkischen Idiome werden nun durch Krächzlaute erweitert.

Am letzten Tag des Jahres saß also die heilige deutsche Dreifaltigkeit sehr einfältig gegenüber. Niedertracht, Gleichmut und der leibgewordene Widerspruch. Was heißt das nun? Widerspruch ist der Partner von notorischer Besserwisserei. Erkennbar an einer Person, der man sagt: „Immer widersprichst du mir!“ und zur Antwort erhält „Stimmt doch gar nicht!“

„Seit ihr da seid, wird es immer leerer.“ „Stimmt doch gar nicht. Seit ich da bin wird es immer voller.“ Wobei das interessante an solchen Aussagen ist, dass Schnuckiputzi, der sowas sagt, beim Vorher ja gar nicht anwesend war und insofern eigentlich besser beraten gewesen wäre, hier eine Frage statt einer Behauptung beizutragen. Einer wird alles was man ihm erzählt dazu verwenden, es in leicht abgewandelter Form in seinem Interessen zu verwerten. Der zweite wartet nur darauf, dass man ein Stichwort liefert um wieder auf Sahara zu kommen und der Dritte widerspricht allem. Selbst wenn man spaßeshalber irgendwann etwas sagt, was er vorher selbst gesagt hatte. Also der notorische Widerspruch so weit kultiviert wird, dass er ihn schon auf sich selbst anwendet. Da ging der Geist schon lang im Wein verloren und hat mit „in vino veritas“ nur noch und eben als Widerspruch zu tun.

So also saß ich am Tresen jener Bar, deren Frau Wirtin ich über viele Jahre behutsam unterstützte, damit der Laden läuft und zu einem Treffpunkt im verlorenen Baguida und Avepozo werden könnte. Statt Nigerianer, Togoer, Franzosen und Italiener nun Deutsche und Schweizer. Statt Geschäftsleuten nun Kampftrinker. Statt geistreicher Gespräche ein Abfolge von trivialen Sprüchen. Einsam saß ich da. Bei Musike von Abba.

Abba ist so eine Musikgruppe, die ich in jungem Erwachsenenalter herzerfrischend beschissen fand. Samstagabendmusik für Spießer. War man gut aufgelegt, war ja das eine oder andere Mama Mia oder Oheoohe ohe ohohoe auch mal witzig. Doch am letzten Tag im Jahr legte nun Schnuckiputzi, der mit nichts etwas zu tun hat, aber sich überall einmischt, statt der immergleichen Hits der Togoer nun die gesammelten Hits von Abba ein. Man sitzt am Tresen, sieht das Leiden des Kochs, der schon am Vortag vertraulich meinte, das mit dem 20-Euro-Menü wird in die Hosen gehen, sieht die herausgeputzten Bedienungen, bekommt einen Gratispunsch, in den so viel zuckriges Zeugs hineingeleert wurde, dass es unmöglich ist herauszuschmecken was da drin ist, sieht einen Franzosen mit seiner Togoerin einen Drink nehmen und dann wieder gehen und hört Abba. Zwei Stunden Abba. Stimmung pur für drei Deutsche.

So kurz vor 21 Uhr am letzten Tag des Jahres begriff ich, dass sich da nichts in meinem Sinne entwickeln würde. Ich roch die schweizer Bodentruppe, die sich irgendwo, vermutlich bei Chez Alice ein Käsefondue reinpfiff und die so um etwa 22 Uhr die Deutschen bereichern würden. Ich sah keine Franzosen und Italiener und Togoer oder andere Freunde und wusste nun, es sei schöner, mit einem klaren Kopf ins neue Jahr zu gehen. Als Bedienungen und Koch und Helfer sahen dass ich ging, wollten sie mich mit allen Mitteln aufhalten, die Frau Wirtin stand noch am Auto und überredete mich. Zwei Seiten des „U“ nun leer, um 9 des letzten Tag des Jahres und nur noch Unsympathische zu erwarten. Als krönender Abschluss bekam ich noch einen Tritt.

Das männliche Schnuckiputzi-Pendant, der körpergewordene Widerspruch, kam ebenfalls ans Autofenster um mir einen Widerspruch mit auf den Weg zu geben. „Auf Wiedersehen, leider musst du schon gehen“. Das aber in einem Tonfall und einer Motorik, das eigentlich bedeuten sollte: „Hau doch ab du Arschloch. Warum lässt du uns hier im Stich?“ Vor dem Hintergrund dass weder ich Wert auf die Gruppe, noch die Gruppe Wert auf mich legt, war es ein seltsames Finale. Abba hatte gerade gewechselt. In irgendwelche anderen gesammelten Evergreens der Achtziger, mit denen er die Bar voll machte. Die Gruppe begann ebenfalls mit "A".

Die Angestellten taten mir ehrlich leid. Auf dem Weg ein schwerer Mopedunfall. Kurz vor zuhause gibt es noch eine ganz schlechte Wirtschaft mit schlechter Musik und schlecht funkelnder Beleuchtung, dort hielt ich noch kurz an. Die kleine dreijährige Tochter, so erzählte Mama mir mal, hätte zuhause erzählt, sie wolle mich später einmal heiraten. Sie ist noch zu klein um zu wissen, dass ich in 15 Jahren ohne Zähne nicht mehr sehr attraktiv bin, aber es ist rührend. Unglaublich wie sie schon flirtet. Dort also aß ich noch zwei Stückchen Fisch für 50 Cent, trank ein abschließendes Bier, die Kirchen im ganzen Viertel brüllten ab 22 Uhr infernalisch, schloß Fenster und Vorhänge, schaffte es wie durch ein Wunder zwischen Disco, Halleluja und Böller zu schlafen und schrieb des morgens dies. Am ersten Tag des neuen Jahres.

2019

nix
2019 4.1.2019
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Angelangt im neuen Jahr möchte ich an dieser Stelle allen Lesern Erfolg und Gesundheit wünschen.

Fast allen Lesern. Manchen wünsche ich auch die Grätze an den Hals. Besonders ein paar Lesern aus Avepozo und Baguida, an denen ich die Überleitung zur weißen Überlegenheit in seiner Widersprüchlichkeit darlegen möchte.

Viele Frauen in Deutschland sagen, dass der ältere weiße, ich sag helle Mann, so genannte Privilegien gegenüber anderen Ethnien und dunkleren Hautschattierungen hätte die er aus seiner Überlegenheit ableiten würde. Ich postuliere nun folgendes: Ein gebildeter älterer heller Herr, der gute Manieren hat wird gegenüber Menschen, die aus einer Gesellschaft stammen, die der Menscheitsentwicklung noch nicht wirklich viel beigesteuert haben, dennoch höflich gegenübertreten und aus Privilegien seiner Bildung kein großes Aufhebens machen. Sein Watchman am Tor oder die Wäscherin, die beide einfach nicht das Glück hatten in Strukturen groß zu werden, die ihnen eine gehobene Stellung zubilligte, werden es ihm danken. Er gibt ihnen strukturierte Arbeit und er bietet ihnen eine gesichterte Überschaubarkeit im Leben. Ist er ihnen gegenüber höflich und bezahlt sie fair, nennt man das eine einigermaßen heile Welt.

Doch wer sind nun die vermeintlichen Nutznießer und Schmarotzer dieser Weißen Suprematie? Es sind die Dummen oder Skrupellosen, die aus Gesellschaften kommen, die der Menschheitsgeschichte schon viel geschenkt haben und deshalb von anderen sehr geachtet werden. Die etwas minder bemittelte als der Durchschnitt dieser Gesellschaft, also der untere gesellschaftliche Rand, sind in der Lage, durch anderswo hingehen, dadurch Vorteile in Anspruch zu nehmen, die ihnen eigentlich gar nicht zustehen. Nach Ansicht deutscher Geisteswissenschaftlerinnen. Womit wir wieder bei Avepozo Flat gelandet sind.

Exotische Existenzen, die aber über Pässe der Vorteil habenden Gesellschaften verfügen, die sie interessant machen. Eine Togoerin weis nicht, dass die Papiere gar nicht dem scheinbar Privilegierten gehören, sondern dem Staat in dem der geboren ist. Der Dumme ist für die Ungebildete das Medium, durch den hindurch Vorteile zu bekommen sind. Die scheinbare Anerkennung die er dadurch bekommt, versetzt ihn in den Glaube, jemand Besonderes zu sein, was ihm derart zuhause so nicht vergönnt ist. Abgestürzte Trinker, entsorgte Versorger, in Drogen gezeugte oder welche mit allgemein beschränkten Speichermöglichkeiten oder reduzierter Synapsentätigkeit durch zuviel Wurst essen.

Gebildete Afrikaner regen sich über solche Gestalten auf und sind häufig der Meinung, dass Afrika so eine Art Abfallhaufen für gescheiterte Existenzen und Exkremenzen aus Europa ist. Sie ziehen in Rudel von Kneipe zu Kneipe, vereinnahmen sie, vernichten den Ruf und ziehen unter Drohungen und Beleidigungen weiter. Eigenes haben sie schon lange zerstört, also macht man anderer Leute Dinge kaputt, ist unhöflich zu Angestellten denen man Hirarchien zeigt, schließt Achselnasse kumpelhafte Freundschaften ohne Dauer.

Ich möchte eine kleine Zeitreise einschieben, die eine Togo sehr verbreitete, spezifische Antipathie erklärt. Aus Visagründen und wegen seiner niedrigen Preise war in den 1980ern Togo so etwas wie ein Trichter für Touristen, die durch die Sahara reisten. Damals im Vergleich zu heute sehr viel mehr. Gleichzeitig hatte Lomé sehr günstige Konditionen für Hafengeschäfte und wurde zu einer kleinen Drehscheibe für Importhandel mit Strahlrichtung Sahel, Ghana und Nigeria. Als Zentrum für Handel mit traditioneller Kunst und Kunsthandwerk war Lomé ebenfalls bekannt.

Holzschnittartig betrachtet, hatte Lomé wegen des Handels mit Autos, LkW's und Maschinen eine besondere Szene von Desperados angezogen, die sich von den weitaus kleineren Gruppen von deutschen Händlern dieser Güter in Nigeria oder Kamerun unterschied. Es waren Viele, meist über wenig Kapital verfügende Kleinsthändler, von denen wiederum die meisten weder Fachkenntnisse als Kaufleute noch als Mechaniker hatten. Während meiner Zeit in Nigeria und später in Kamerun waren auch immer solche Händler in meinem Bekanntenkreis und es gab durchaus ehrenwerte Herren darunter, von denen ich viel Hilfe bekam. In Lomé jedoch lernte ich auf meinen zahlreichen Besuchen und Abwicklungen im Hafen damals diese Personengruppe zu meiden.

Sie neigten zu Gruppenbildungen, die jeden Abend lautstark mit viel Alkohol unangenehm auffielen. Da die Geschäfte bis in die 1990er ganz gut liefen und damals noch ausschließlich in europäischer Hand waren, gehörten Nutten und Schnaps zur Grundausstattung. Deutsche stellten die größte Gruppe der Europäer. Unter diesen wiederum ließ sich abstoßend ein Kern erkennen, den man, ohne lange zu überlegen, als widerwärtige Rassisten bezeichnen konnte, deren kläglicher Rest hier auf meinen privaten Seiten als eine Art Grabgesang humorig beschrieben ist.

Interessant ist, wie sich "Afrika", ich benutze es ungern im pauschalen Zusammenhang, doch hier gilt es, von solchen Kollegen befreit. Togo ist hierfür ein sehr typisches Beispiel. Wer in dieser wunderbaren Bananenrepublik einen Aufenthalt möchte, der muss dem Justizministerium gegenüber nachweisen, dass er in Deutschland oder der Schweiz keinen Dreck am Stecken hat. Mit Stempel der eigenen Botschaft. Man geht in Togo also weitaus konsequenter vor als in Deutschland, wo ja Kreti und Pleti weitgehend unkontrolliert einreisen dürfen, die Länge des Aufenthalts weitgehend selbst bestimmen können und es noch Geld für schmarotzen gibt. Während man in Deutschland seit 2015 bevorzugt Menschen mit Vorstrafen einreisen lässt um an ihnen eine historische Kollektivschuld abzuarbeiten, bekommt jemand wie oben beschriebener Gollum eben keine Aufenthaltspapiere in Togo und ist insofern nur sehr eingeschränkt geschäftsfähig. Der Rest der Gruppe reist als Nostalgietouristen ein und ist für Geschäfte weitgehend kaltgestellt, weil mittlerweile Togoer die Geschäftsfelder belegen. Man toleriert sie schweigend als aussterbende Spezie, die, im wahrsten Sinne des Wortes, sich in den vergangenen Jahren einer nach dem anderen durch Organversagen verabschiedet.

Also von wegen Privileg. In den 1980ern hätte ich diese These sofort unterschrieben. Da Deutsche bis heute einen sehr guten Ruf haben, nutzte die beschrieben Gruppe diesen Ruf um zügellos darin zu wildern. Doch irgendwann war auch ein Wurstmacher Rainer mir nix, dir nix weg vom Fenster, als sich herausstellte, dass er nicht nur kleine Mädchen abschleppte, sondern gar keine Firma mehr hat und nie wieder eine bekommen wird, weil er eben sehr sehr viel Dreck am Stecken hatte. In Deutschland und in Togo. Auch mit "schmieren" war irgendwann nix mehr drin, weil ihm die Schmiermittel ausgingen. Die den oben erwähnten schweizer Handwerksgesellen und Schnuckiputzis zum Beispiel noch nie zu eigen waren und außerdem Togo sich diesbezüglich positiv wandelt. Die Privilegien im Sinne der weißen Supremation sind also gar nicht so groß oder vielleicht gar nicht mehr vorhanden, sondern wirken nur noch als Einbildung ein klein wenig bei eher etwas ungebildeten jungen Damen, die Grund indigener Strukturen am autochthonen Heiratsmarkt nicht teilnehmen können. Die Hoffnung nach Übersee lässt sie die Beine noch vor dem hässlichsten Abstürzler breit machen.

Weshalb sich dann immer noch ein paar ewiggestrige Unterprivilegierte im Schatten eines Kleinstkriminellen wichtig finden, bleibt deren Geheimnis. Es hat wohl was mit Solidargefühl von Underdogs und Alkoholritualen auf dem Absprungbrett zu tun. Da machte man Manchen von denen schon den Laden dicht, anderen gibt man keine Papiere und sie merken immer noch nicht, dass man sie in Togo nicht haben möchte. Es wäre nur ein Fingerschnippen von irgend jemand, der so etwas nicht als Denunziation sondern als Störung neuer deutsch-togoischer Wirtschaftsbeziehungen oder etwas Ahnlichem betrachtet, und sämtliche scheinbar Privilegierte wären einfach wisch und weg. Es geistert nämlich die etwas steile These in Schreibers Kopf, dass verschiedene Länder Afrikas gerade jede Gelegenheit nützen, sich von lästigen Europäern zu befreien. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in Togo keine Anwälte, die auf Bleiberecht spezialisiert sind, weil es Frau Merkel bezahlt. Hier in Togo sagt eine Anwalt: "Bist du ein privilegierter weisser Mann und verfügst über bare Mittel im Voraus?"

Liebe deutsche Geisteswissenschaftlerinnen, die ihr so sehr mit der Aufarbeitung postkolonialer Strukturen beschäftigt und der Meinung seid, man solle auf vermeintliche Privilegien verzichten, hört her und glaubt es. Das war einmal und ist nicht mehr. Afrika hat sich gewandelt. Togo hat sich gewandelt.

nix
Korruption 7.1.2019
 

Korruption.

Welch ein hässliches Wort. Die einen praktizieren es offen, andere, dazu gehören die Deutschen, verstecken es in einem riesigen gesetzgeberischen Apparat und verkleistern es mit sozialen Ismen. Korruption ist nach landläufiger Meinung, wenn Frau Merkel dem reichsten Mann in der Republik Niger 600 Millionen Euro für oder gegen Flüchtlinge gibt um die, die dieses Geld erwirtschafteten mit einem sozialen Sprech zu blenden und dieses Geld dann für etwas anderes verwendet wird. Der große Teil des Geldes fließt in das patrimoniale System der Familie des Präsidenten, der zweite Teil an Freunde, die seine demokratisch gewählten Minister sind und der dritte Teil geht wieder als Einkäufe an deutsche Firmen, die davon wiederum ein wenig für Parteienfinanzierung abzweigen. Arme Menschen aus reichen Ländern geben ihr Geld reichen Menschen aus armen Ländern, von denen man dann nicht weiß, ob sie dieses Geld für oder gegen Boko Haram einsetzen. Oder wie der Autor vermutet, für Beides.

Das produzieren dieser verkleisternden Ismen ist in Deutschland ein hochkomplizierter Apparat, bei dem übrigens immer mehr Frauen beteiligt sind, von denen man als außen stehender Unbedarfter den ständigen Eindruck hat, dass sie gar nicht wissen, was sie da tun im großen Rollenspiel. Ähnlich allen letzten Entwicklungshilfeministern. Da werden also unglaubliche Mengen Geldes generiert um vermeintlich Gutes für oder gegen Flüchtlinge zu tun. „Ursachenbekämpfung“ ist eines der Zauberwörter des deutschen Gutmenschen, auf das ich ja schon mehrfach eingegangen bin. Nun wurden in Deutschland in den letzten Jahren neben einer Vielzahl sozialer Ismen drei sehr sehr große Projekte mit so hoffnungsvoll klingenden Namen wie „Marshallplan“ ins Leben gerufen, die mittelständische Firmen ermutigen sollten, in Afrika ihr Geld in den Sand zu setzen.

Doch, Herrje (nicht zu verwechseln mit Frauje oder gar Frau_je_inn), keine Firma beißt an um an den vielen Milliarden Euronen zu partizipieren.

Nix.

Gar nix.

Keine einzige Firma.

Dabei ist doch gerade schon 2019.

Was nun hat der wachsende Hintern der schönen indigenen Wirtin als Schnuckiputzi von Schnuckiputzi damit zu tun, dass keine deutsche Firma an die Milliardentöpfe zu bekommen ist? Im fernen Lande Togo? So als Beispiel?

Die nun nicht mehr ganz so junge Dame ist nämlich korrupt. Und wie so viele Andere die dies sind, weiß sie es noch nicht einmal, denn korrupt sind immer die anderen. Wäre ein vernünftiges Gespräch mit ihr möglich, würde sie es erbost von sich weissen, denn sie tut etwas, das viele tun. Und doch, es ist so, korrupt.

Frau Wirtin ist ja nun, wie der geneigte Leser erfahren durfte, mit ihrer gepachteten Location die neue, als feindliche Übernahme gestaltete logistische Zentrale der Protagonisten von Avepozo Flat, auch wenn es nun in Baguida liegt. Die Liebe, das verblendende Monster, lässt Hintern wachsen und Augen verkleben. Mein Text weiter oben auf dieser Seite beinhaltete, wie ich zugeben musste, eine etwas geschmacklose Beschreibung des Hinterteils mit dem ich eigentlich Togo im allgemeinen auf die Schippe nehmen wollte, aber durch die parteilich gefärbte Übersetzung des schmollenden deutschen männlichen Schnuckiputzis sehr individuell bezogen auf Frau Wirtin ausgelegt wurde. Humor ist eine schwierige Angelegenheit. Ich habe die Assoziation von Wurstmacher zu Pelle dann doch lieber gelöscht.

Da Frau Wirtin mit ihrem Hintern ja nicht Togoern gefallen möchte, die diesen Wachstumsprozess sofort und ohne Zögern begrüßen und gutheißen würden, sondern einem nun schmollenden Franken, muss, wie Korruption mit sozialen Ismen, das Hinterteil moralisch kleingedichtet werden. Ein empörter Anruf untermalte dieses Ansinnen.

Donnerwetter. Ich kam da gar nicht mehr zu Wort. Welch ein Temperament, mit dem der Franke gemeinsam seine Zukunft plant. Doch kommen wir zu Korruption, die sich im Alltag versteckt und in ihren tausend Facetten verhindert, dass deutsche Firmen einen Mehrwert in Afrika erwirtschaften. Neben vielen harmlosen weiblichen Missfallensäußerungen beinhaltete die ungebrochene Rede auch eine Drohung. Sogar der von ihr gegangene Franzose, der große Mäzen ihres riesigen Kleiderschranks, der viel Geld gehabt hätte, hätte Angst vor ihr.

So weit so harmlos. Doch warum betont sie das und wovor hätte er Angst?

Madame Schnuckiputzi kommt aus der Gegend, aus der der Präsident kommt, was ihr in der Gegend um Lomé nicht unbedingt nur Freunde einbringt, sondern auch Ressentiments. Das ist ein anderer Stamm, oder wie man heute zu sagen pflegt, eine andere Ethnie. Aus der Gegend aus der der Präsident kommt, kommt auch ein Großteil des Militärs. Diese Struktur ist notwendig, damit der Präsident auch so lange als möglich Präsident bleiben kann. Nun ist einer dieser Militärs einer aus der weit verzweigten Familie vom indigenen Schnuckiputzi und war auch einer der ersten, der dem deutschen Schnuckiputzi vorgestellt wurde, damit der gleich mal weiß, wo seine Grenzen oder Hoffnungen liegen sollten. Solche Besuche erklären manch großes Maulwerk.

Dieser Herr aus dem Militär wird nun kaum Schnuckiputzi-Indigen_inn zu Hilfe eilen, weil sie das Kompliment eines wachsenden Hintern aufgrund fränkischer Übersetzung in den falschen Hals bekam, aber es weisst auf eine Gefahr, der kleine Firmen ständig ausgesetzt sind. Die Korruption im Kleinen. Das patrimoniale Beziehungsgeflecht verhindert eine notwendige Rechtssicherheit, auf deren Basis eine zugewanderte Firma gründet. Firmenrecht unterliegt einem verfassungskonformem Gesetz, das nach europäischen Vorlagen gestaltet ist, zum Beispiel das Arbeitsrecht. Togoer allgemein und Frau Wirtin im Speziellen scheren sich einen Dreck um europäisches Arbeitsrecht. Das ihre liegt dem der Sklavenhaltung noch heute näher als einem von Gewerkschaften erstrittenen Recht, das aber auf europäische Firmen in Afrika recht konsequent und einseitig eingefordert wird. Togoische Arbeitnehmersituation ist, was beispielsweise willkürlichen Rauswurf anbelangt, sogar weitaus inhumaner als altes Sklavenrecht. Dies nun in Verbindung mit einem Angehörigen im Militär ergibt eine explosive Mischung.

Familien in Afrika, und hier verallgemeinere ich, sind sehr bewusst so organisiert, dass man überall ein Mitglied einschleust, was uns in Europa aus alten feudalen Zeiten ja noch in Erinnerung ist bevor der Kapitalismus Familien zerfledderte. Einen beim Klerus, eine in der Justiz, einen beim Militär, einen in Paris und eine als Geschäftsfrau. Mit strengen Kommunikations- und Verteilungsmustern. Da kann weibliche Hysterie, die man in Deutschland so nicht mehr nennen darf, aber in Afrika als weibliche Waffe extrem gefürchtet ist, zu einem ernst zu nehmenden Handicap werden. Der Hintern ist ja nur der Vorwand. "Du hast einen schönen großen Hintern" ist ja sonst sogar ein Kompliment. Der eigentliche Vorwurf lautet: „Der steht meinen Interessen im Weg“ oder „Dass die Gäste immer weniger werden, liegt nicht an warmem Bier und Bananendieben, sondern an Geschriebenem“. Sind in Deutschland hier noch juristische Hürden für so individuelle Anliegen wie verblendete Liebe oder Geschäftsunfähigkeiten eingebaut, oder soll man auch schon sagen „waren“?, ist der Europäer in Afrika plötzlich, ohne Hürden, sprich, ohne Rechtssicherheit der Willkür ausgeliefert. Willig spielt das fränkische Schnuckiputzi das Spiel mit, verleiht es seinem Urlauberstatus ja so etwas wie Bedeutung. Er treibt ein ganz übles Spielchen, was vermutlich seinen früheren sozialen Aufstieg schon behinderte und in Zukunft ebenso vermutlich bleiben wird. Er wälzt, was auf die Jünger des heiligen Wurstwassers gemünzt war, perfide als gefärbte Übersetzung auf die Freundin ab, bedient sich ihrer willfährigen Zuneigung und benutzt sie für kleine Intrigantenspielchen inklusive Drohung, weil man mangels Freizeitangeboten nur am saufen ist und sich gemeinsam mit anderen Saufbrüdern gegenseitig so lange in etwas hineinsteigert, bis aus einer Maus ein Elefant wird.

Das einzige was man dem entgegensetzen kann, ist eine eigene Beziehungsstruktur. Doch deutschen Firmen ist es untersagt, dies aufzubauen. Kleine Gaben, die die Freundschaft erhalten sind nämlich verboten. Kommt es raus, stehen die Subventionen plötzlich als Schulden da und der deutsche Staat zieht sich moralisch Zeigefinger wackelnd aus dem Projekt wieder raus. Sich in ein afrikanisches Familiengeflecht hineinzubegeben grenzt an ökonomischen Selbstmord. Also muss der deutsche Unternehmer die milden Gaben als fingierte Ausgabe oder Aufträge über die Bücher deklarieren womit nicht nur der gemeinte Empfänger profitiert, sondern sehr teure Beamte, die sich über europäisches Steuerrecht ernähren. Damit dies eingehalten wird, hat man NGO’s erfunden, die ebenfalls über Steuern unterstützt werden und schon ganze Branchen erledigten. Ich sag es mal provokant: Der ökonomische Teil des alten Protektoratssystem war, von der Grundidee aus gesehen, nicht was von der folgenden Kolonialpolitik ersetzt wurde, sowohl für Togoer als auch für Deutsche, effektiver, ehrlicher und sicherer. Protektorat heißt nämlich Schutz. Nicht nur für Togoer vor Engländer und Franzosen, sondern auch deutsche Geschäftsleute vor togoischen Launen.

Damit man dies nicht sagen kann, wurden ebenfalls die NGO’s und auch der Sozialismus erfunden. Und wenn die mir nun wegen meiner kleinen Provokationen einen Neokolonialismus unterjubeln, seien sie herzlich eingeladen, eine Firma in Westafrika zu eröffnen. Nur wer die Vergangenheit studiert, kann vernünftig in die Zukunft blicken.

Denn weiterhin meldet sich keine mittelständische Firma für irgendwelche Marshallpläne, weil sie afrikanischen Familien, europäischen Steuerinteressen und kleinen Intriganten gleichermaßen ausgeliefert sind. Die gute Dame, wohlgemerkt nichts anderes als Wirtin einer kleinen Klitsche, wollte schon einem Franzosen wegen Streitigkeiten die sich auf der Wertebene von 100 Euro bewegten, ihr uniformiertes Familienmitglied an den Hals hetzen. Da investiert ein Investor doch lieber unter den Fittichen eines Herrn Trump. Wegen Rechtssicherheit.

Der Autor, selbst schon halber Bantu, hat übrigens ein kleines aber feines Beziehungsgeflecht. Ob das die Großmäuler von Avepozo Flat wohl ahnen? Eigentlich müssten sie es am Beispiel ihres vom Blitz beim scheissen erschlagenen Gralshüters des heiligen Wurstwassers mitbekommen haben, der es höhnisch spottend auch lange nicht glauben wollte und ständig irgendwas von "General" faselte.

Wie man dieses kleine feine Geflecht aufbaut ohne sich an Korruption zu beteiligen ist ein sehr schwieriges Unterfangen, das Inhalt eines entstehenden Kleinunternehmerverbands werden soll, bei dem definitiv niemand aus Wurstmacher Rainers In-Memoriam-Gefolgschaft Avepozo Flat auftauchen wird, sonst wäre der Ruf schon von Beginn an ruiniert. Mal ganz unabhängig davon, dass es von dieser geballten Ladung Unbildung in Verbindung mit Alkohol sowieso niemand mehr schafft, unternehmerisch tätig zu sein. Da hilft auch kein Onkel von Schnuckiputzi beim Militär.

Niemand macht mich so deutlich auf das Fehlen von Kunst und Genuss aufmerksam, wie diese kultur- und geschmacklos stumpfsinnige, versoffene Bodentruppe. Weißer Suprematismus, - dass ich nicht lache.

  So der Herr will

Ètablissements "So der Herr will."
Avepozo, Quartier "Les amoureuses"

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Im Jahr 2019 werden es 40 Jahre seit ich das erste Mal Afrika als junger Rucksackreisender betreten habe. Grün hinter den Ohren, dass ich selbst oft lachen muss. Und heute? Wer wagt es, einem alten Trapper in den Colt zu pissen?

 
Deutschland ist ein Suuuperland, - toll
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